2010

Allen Lesern ein gutes neues Jahr, auch wenn der Pessimist in mir sicher ist, daß 2010 noch grausiger wird als 2009.

Das Originalbild stammt wohl aus dem Jahre 1926 und findet sich bei Dr. Macro.

Hallo UPS!

Auch ein Ökostalinist bestellt hin und wieder etwas im Internet und läßt sich von diversen Zustelldiensten zwangsbeglücken. Diesmal hat es UPS getroffen. Ein “Unternehmen, dass noch nie davor zurückschreckte, sich neue Ziele zu setzen“.

Die neuen Ziele können aber nicht sein, daß man aufmerksam arbeitet. Jedenfalls läßt folgende Meldung bei der Sendungsverfolgung keinen anderen Schluß zu, als daß dort megamäßig geschlampt wird:

DAS PAKET WURDE IN DER UPS-EINRICHTUNG ÜBERSEHEN, DIE ZUSTELLUNG ERFOLGT AM NÄCHSTEN ARBEITSTAG

Übersehen? Dabei dürfte das Paket nicht so klein sein, daß man es einfach übersehen könnte. Mal schauen, ob es denn heute ankommt oder ob der Zusteller da auch was übersehen wird. Vielleicht den Klingelknopf, wenn er sieht, daß er in den vierten Stock (ohne Fahrstuhl) müsste, um das Paket zuzustellen?

Foodwatch und der Durchschnittsverbraucher

Den fragwürdigen Verein Foodwatch e.V. hatte ich im Blog schon desöfteren erwähnt und kam dabei nie zu einem positiven Ergebnis, was dessen Arbeit angeht.
Die Hauptaufgabe von Foodwatch scheint darin zu bestehen, bildungsfernen Schichten das Erkennen von Terror-Nahrungsmitteln zu ermöglichen. Für Foodwatch ist der Durchschnittsverbraucher ein bedauernswertes Wesen am unteren Rande des Intelligenzspektrums, das kaum in der Lage ist, Zutatenlisten zu lesen und das, wie ein Kleinkind, nur allzu leicht auf bunte Bildchen einer heilen Produktwelt hereinfällt. Damit ist Foodwatch eigentlich noch schlimmer als die von diesem Verein kritisierte Lebensmittelindustrie.

An der Lebensmittelindustrie kann man sicherlich einiges kritisieren, aber kaum, daß die Unternehmen die bestehenden gesetztlichen Regeln ausschöpfen, immerhin sind die meisten der Foodwatch-Enthüllungen allein einem Lesen der Zutatenliste geschuldet (abgesehen davon gibt es wohl wirklich einen Bedarf an Fertigprodukten, sonst würde die keiner kaufen; daß man die gesparte Zeit für die Zubereitung u.U. aber wieder beim Lesen der Zutatenliste verliert, ist eigentlich auch jedem klar, sofern er sich überhaupt dafür interessiert, was er zu sich nimmt).
Da fragt man sich, wo soll da eigentlich der Skandal liegen? Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es der Gesetzgeber, aber kaum die Unternehmen, welche die Gesetze befolgen. Daß diese mitunter selbst für derlei gesetzliche Regelungen verantwortlich sind, steht auf einem anderen Blatt. Und daß Unternehmen im Kapitalismus auf Profitmaximierung ausgelegt sind, was bedeutet, möglichst billig einzukaufen und möglichst teuer zu verkaufen, ist im aktuellen System nun einmal systemimmanent.

Kommen wir nun aber zu den Beispielen, die zeigen, wie wenig Foodwatch von der eigenen Zielgruppe hält. Da die auf der Webseite angebotene Photostrecke nur mit JavaScript aufrufbar ist (und für mich somit verborgen bleibt), verweise ich auf das ebenfalls angebotene PDF.

Der grenzdebile Foodwatch-Fan kann kaum lesen, weshalb er eben fragwürdige Vereine benötigt, die ihm mal die Zutatenliste bzw. die Nährwertangaben erläutern. Da werden beispielsweise Chips mit 30% weniger Fett auf der Packungsvorderseite beworben. Foodwatch leitet daraus die harten Fakten ab: “30% weniger Fett heißt nicht automatisch 30% weniger Kalorien.”
Diese Aussage ist per se zwar nicht falsch, aber das wird auf der Packung gar nicht behauptet. Genausogut könnte man schreiben “30% weniger Fett heißt nicht automatisch 30% mehr Kartoffeln.” Das ist ähnlich sinnfrei.

Als nächstes werden in Zucker getränkte Cornflakes vorgeführt. Die schockierenden Fakten dazu: “”1/3 weniger Zucker” hin oder her. Eine Zuckerbombe sind die Flocken immer noch. 25g Zucker stecken in 100g Frosties.”
Ja, wow! Das mit den 25g Zucker pro 100g haben die aber toll anhand der Herstellerangaben recherchiert. Echter investigativer Foodwatch-Enthüllungsjournalismus! Interessanter wäre es gewesen, ob eine selbst in Auftrag gegebene Untersuchung des Zuckergehalts in einem Labor das gleiche Ergebnis gezeigt hätte oder ob der Hersteller eventuell bei den Nährwertangaben geschummelt hätte. Packungsaufdrucke kann nun wirklich jeder selbst lesen und vergleichen…außer die Foodwatch-Zielgruppe.

Was sich auch beim nächsten Produkt zeigt: gefüllte Fruchtgummis. Auch hier erschöpft sich das Investigative im Lesen der Zutatenliste und ein wenig umrechnen.
Dieses beliebte Vorgehen wird auch noch für einen Schokoladen-Pudding durchgeführt.
Bei einem Joghurt mit Buttermilch werden wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Statt zum Fettanteil wird etwas zum Kohlenhydratanteil gesagt.
“Die Fakten: 1% Fett, aber dafür 15,5% Kohlenhydrate.”
Komisch, dabei steht auf der Packung was von 0,9g Fett/100g, auch wenn das Produkt selbst mit 1% Fett wirbt, würde ich bei Fakten doch eher erwarten, daß hier auch die Fakten laut Nährwertkennzeichnungstabelle angegeben werden.
Aber vielleicht waren diesmal sogar die Foodwatch-Mitarbeiter beim Lesen überfordert. Oder nach dem Verzehr des Joghurts aufgrund eines Zuckerkomas nicht arbeitsfähig.

Personen im Zuckerkoma oder die Foodwatch-Zielgruppe bzw. Durchschnittsverbraucher als bedauernswerte Wesen am unteren Rande des Intelligenzspektrums lassen sich vielleicht leichtfertig dazu überreden, für windige Vereine zu spenden, die für sie das Lesen von Zutatenlisten erledigen. Und Spendeneinsammeln dürfte neben dem Lesen von Zutatenlisten wohl das Hauptziel des Vereins sein.

Der deutsche “Online-Qualitätsjournalismus”

Anhand einer kurzen Meldung bei sueddeutsche.de ist mir wieder einmal das ganze Dilemma des deutschen “Online-Qualitätsjournalismus” bewußt geworden.

Dort wird das Ergebnis einer Meta-Studie erwähnt. Nur leider erfährt der interessierte Leser kaum wirklich etwas relevantes wie z.B. wer diese Studie in welchem Medium publiziert hat.

Kaffee und Tee können vor Diabetes 2 schützen. Da auch entkoffeinierter Kaffee das Risiko für die Stoffwechselerkrankung senkt, beruht dieser Effekt zumindest nicht nur auf Koffein, wie australische Forscher der Universität Sydney berichten.

Es wird nur nebulös von australische Forscher der Universität Sydney geschrieben. Eine Nennung des Titels der Originalstudie oder gar einen Link zu ebendiesem Artikel sucht man vergebens. Nun ist das zwar kein Problem, mit einer einfachen Suche nach coffee tea diabetes bei news.google.com herauszubekommen, um welche Studie es sich handelt (Coffee, Decaffeinated Coffee, and Tea Consumption in Relation to Incident Type 2 Diabetes Mellitus veröffentlicht von Rachel Huxley et al. in Archives of Internal Medicine (Arch Intern Med. 2009;169[22]:2053-2063)), aber da es sich um das Internet handelt, gibt es keinen Grund, diese Daten seinen Lesern vorzuenthalten.

Ach, halt, ich vergaß, der Leser oder die Leserin könnte ja durch Links verleitet werden, das Angebot unter sueddeutsche.de (oder fast jeder beliebigen anderen Webseite einer Zeitung/Zeitschrift) links liegen zu lassen und dort nicht die werbedurchseuchten Klickstrecken anzuklicken.

Und so wirklich neu ist die Meldung über Tee, Kaffee und Diabetes auch nicht mehr. Bereits am 14. Dezember gab es eine entsprechende Pressemeldung der European Society of Cardiology (ESC), die sich beispielsweise auch über Eurekalert finden läßt.
Und anhand der Pressemeldung erkennt man auch, daß der im Artikel der Süddeutschen erwähnte Lars Ryden sich in Wirklichkeit Lars Rydén schreibt. Quality made in Germany eben.

Die Kompetenzen des Bundesministers der Verteidigung Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg

Der geliebte Bundesminister der Verteidigung, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, ist völlig zu Unrecht ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Das kann die geliebte Bundesregierung nicht mit ansehen und hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Vorzüge und Kompetenzen des beliebtesten Dampfplauderers Deutschlands kurz und prägnant mit bildlicher Unterstützung darzustellen.

Schwanzvergleich

Um den geneigten Leser (und die eine Leserin) in der Vorweihnachtszeit nicht zu überfordern, schließlich müssen die ganzen Baumkuchen, Kekse, Plätzchen und sonstigen Kalorienbomben verdaut werden, da ist kaum noch Blut zur Durchblutung des Gehirns übrig, gibt es einen eher flachkalauernden Bildbeitrag, der sich mir sofort aufdrängte, als ich die beiden Photos sah.

Werthaltiges im Netz

Man liest und staunt bzw. kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Ausgerechnet Mitarbeiter der Springer-Presse sprechen von Qualitätsjournalismus und Werthaltigkeit.

“Wir wagen, Werthaltiges im Netz künftig nicht mehr zu verschenken, sondern zu verkaufen.”

Dabei ist das Hamburger Abendblatt nun wirklich eines der überflüssigsten Druckerzeugnisse, die es gibt. Und seit das Internet sich auch als Medium für Stellen- und Wohnungsanzeigen durchgesetzt hat, gibt es zum Glück keinen Grund mehr, das angestaubte Posemuckelkäseblättchen, das sich in seichter Hofberichterstattung von Hamburgs Halbwelt und Semiprominenz sowie als redaktioneller Beitrag getarnten Werbebeiträgen ergeht, zu erwerben.

Ach ja, man erinnert sich sicherlich auch, wie die selbsternannte Qualitätspresse auf Google und dessen Newsseite schimpfte. Dennoch möchte man nicht auf Besucher verzichten, die über Google kommen, weshalb man derzeit auch die Seiten beim Abendblatt vollständig lesen kann, die eigentlich kostenpflichtig sind, wenn man den Useragent des Browser mit “Mozilla/5.0 (compatible; Googlebot/2.1;+http://www.google.com/bot.html)” angibt.
Das ist zwar dank des Add-ons User Agent Switcher im Firefox mit zwei Klicks erledigt, leider lohnt es sich nicht wirklich, denn -wie gesagt- geistiger Dünnschiß von Springer bleibt geistiger Dünnschiß.

[via heise.de]

Die verrottete und verschuldete SPD

Halten Sie die verrottete und verschuldete SPD (lange Pause) NPD aus dem Landtag heraus.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier beim Wahlkampfabschluß der sächsischen SPD in Dresden