Parasiten, Schmarotzer, schädliche Bazillen und Blutsauger

Biologen verwenden für “Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben”, übereinstimmend die Bezeichnung “Parasiten”. Natürlich ist es völlig unstatthaft, Begriffe aus dem Tierreich auf Menschen zu übertragen.

Er ist und bleibt der ewige Parasit, ein Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab.

Eines dieser Zitate stammt aus dem Report vom Arbeitsmarkt im Sommer 2005 des Bundeswirtschaftsministeriums, das andere aus Hitlers Mein Kampf. Ich bin mir sicher, wenn sich die neoliberalen Heilsverkünder nur richtig anstrengen, dann bekommen die auch noch die korrekte sozialdarwinistische Diktion hin.
Wegen des erwähnten Reports wurde nun Strafanzeige gegen den früheren Wirtschaftsminister Clement gestellt.

6 Kommentare

  1. fellow passenger  am 19/10/05 um 00:40

    Ihre Gegenüberstellung, Herr 3zenzi+c,

    gefällt mir sehr.

    Natürlich wird die Staatsanwaltschaft Düsseldorf keine Ermittlungen aufnehmen, weil der launige Bericht von Herrn Clements Ministerium ja nicht Menschen, sondern nur Hartz-IV-Empfänger mit Parasiten vergleicht, denen das Leben in Saus und Braus welches die Staatlichen Zuwendungen ihnen beschert, noch immer nicht genug ist.

    Sollen Politiker vielleicht anfangen, sich mit den Lebensumständen des Volks zu beschäftigen? Das ist doch ekelhaft. So kann man einfach nicht in Ruhe regieren! Wenn das Volk kein Brot hat, soll es eben Kuchen essen.

  2. zenzizenzizenzic  am 19/10/05 um 13:40

    Oh, Marie Antoinette! Sind Sie’s?

  3. Burnster  am 20/10/05 um 11:15

    Es gab Zeiten, da hab ich auch schon auf Kosten meines Wirtes gelebt. Allerdings musste ich meinen Deckel am Monatsende dann bezahlen. Und ewig lockt der Averna.

  4. | | | z e n z i z e n z i z e n z i c   a r m e e   f r a k t i o n |   am 8/1/06 um 15:22

    [...] Es wird sicher Gründe haben, warum die Bundesagentur für Arbeit bisher von den Sozialgerichten zurechtgewiesen wurde. Sich Bett und Schrank zu teilen, reicht mitnichten immer aus, um eine eheähnlichen Gemeinschaft zu bilden. Herr Clever. der sich aber mit den Entscheidungswegen eines Rechtsstaates nicht abfinden mag, möchte lieber seine Behörde über alles stellen und meint, mit einer Umkehr der Beweislast mißliebige Entscheidungen von Sozialgerichten zukünftig umgehen zu können. Jürgen Heike, der als Staatssekretär im bayerischen Sozialministerium Leistungen vom Staat erhält, mag es zwar ganz toll finden, wenn Arbeitslose künftig per se kriminalisiert werden. Und für ihn mag es eine Lösung sein, diese Parasiten und Schmarotzer einfach wegzusperren, das ist aber letztlich eine Milchmädchenrechnung, da der Staat für einen Inhaftierten derzeit wesentlich mehr Geld aufwendet als für einen Hartz-IV-Empfänger. Die Wikipedia spricht von einem Wert von rund 130 Euro pro Tag pro Gefangenen. trackback [...]

  5. | | | z e n z i z e n z i z e n z i c   a r m e e   f r a k t i o n |   am 11/1/06 um 01:46

    [...] Das passt doch prima zur beabsichtigten Kriminalisierung von Hartz-IV-Empfängern, die erstmal selbst ihre Bedürftigkeit beweisen sollen und sowieso schon als Parasiten bezeichnet wurden. Nur müssen es ausgerechnet gelbe Mützen sein, liebe Mainzer Verkehrsgesellschaft? Da fällt doch selbst dem Merkbefreitesten auf, daß man da Parallelen zu den gelben Sternen ziehen könnte, die die Juden vor mehreren Jahrzehnten tragen mussten. Ist die Endlösung der Arbeitslosenfrage in Mainz mithin schon in greifbare Nähe gerückt? trackback [...]

  6. | | | z e n z i z e n z i z e n z i c   a r m e e   f r a k t i o n |   am 26/4/06 um 16:24

    [...] Die hier geschilderten neunzehn Einzelfälle aus dem Hartz-IV-Alltag sind natürlich alles nur Einzelfälle. An der Arbeitsweise der Behörde gibt es natürlich rein gar nichts zu optimieren, die Behörde an sich ist natürlich perfekt und handelt durchweg kompetent. Schliesslich müssen sich die Sachbearbeiter tagtäglich mit dem rumschlagen, was in den Augen des Bundeswirtschaftsministeriums vielfach nur Parasiten sind. trackback [...]

Kommentieren

Kommentare mit mehr als 10 Links werden moderiert. Zum Speichern des Kommentars geben Sie bitte in das dafür vorgesehene Feld ZAF ein.