Schreckliche Plattencover

Viel passiert zum Jahresende meistens nicht. In der deutschen Politik erleben wie gerade ein Berliner C-Movie à la good cop versus bad cop mit schlechten und noch schlechteren Politikern und Grüßaugusten. Wir brauchen nicht weitere der Wirtschaft genehme Reformen, wenn dann brauchen wir eine Reform der Demokratie, die so recht keine mehr ist, eigentlich brauchen wir eine Revolution!
Also wie gesagt, außer dem üblichen Schmarrn passiert nicht viel, deshalb gibt’s hier heute mal etwas sehr seichtes und oberflächliches: schreckliche Plattencover. Das Thema hatte ich zwar schon hier und hier aufgegriffen, nun habe ich aber nach längerer Zeit wieder einmal gokudo.co.jp besucht und da sind mir doch einige obskure Cover aufgefallen.

Und da es recht viele Bilder sind, geht’s ausnahmsweise nach dem Klick weiter.

Auch schon damals wirkte ein in die Kamera gerecktes Hinterteil wohl verkaufsfördernd. Auch wenn der Rest der Bekleidung im Vergleich zu heutigen Megasellern doch etwas sehr lang erscheint. Schön bunt ist auch Tony Scott, gerade so wie man sich einen Trip nach Hawaii oder Polynesien vorstellt.

Das ist wirklich hart. Das Prekariat Carmen McRae läßt grüßen. Ein schon fast geleertes Glas Cola-Rum in der einen Hand und eine Fluppe in der anderen, so macht man Karriere. Und ein leichter Damenbart unterstreicht perfekt die feminine Aura dieses geschmackvoll arrangierten Covers.

Ende der 1960er Jahre war es offensichtlich der letzte halberstickte Schrei aus international bekannten Modemetropolen wie Chattanooga, Pookipsie oder Tuntenhausen in einem leicht roséfarbenen Mäntelchen mit einem knöchellangen Rock im eleganten Hängelampenschirmdesign in heruntergekommenen Hauseingängen herumzustehen. Wahrlich ein tiefempfundener Ausdruck der ultimativen Eleganz.

Elegant-verrückt und voll crazy geht’s dann auch weiter. Ton in Ton zeigen sich die in körpernah geschneiderten Küchenhandtücherresten gehüllte, namenlose Frau, das Auto, die Bäume im Hintergrund. Ja, sogar das Kopfsteinpflaster mochte da nicht nachstehen und statt zu erröten, ergrünte es ein wenig.

Jazzmusik ist doch eh für’n Arsch!

Als es noch keine Digitalkameras gab, war so ein Photoshooting eine anstrengende und schwierige Sache. Man konnte nicht mal eben 500 Bilder machen in der Hoffnung, eines davon wird schon optimal sein. Damals musste man das am wenigsten schreckliche aussuchen, wenn das ganze Shooting irgendwie verhunzt war. So hat man’s dann auch bei Dorothy Lamour gemacht. Das Make-Up um die Augen verhüllt nicht wirklich die Schläge der letzten Nacht (vielleicht war Miss Lamour auch nur volltrunken und ist die Treppe runtergefallen) und sorgen zusammen mit den leicht asymmetrischen Lippen dafür, daß Dorothy für immer die Straße der Romanze allein beschreiten muß. Das ist hart, aber dafür hat sie den Pfeiler, an dem sie wohlweislich schon einmal Halt sucht.

Auch die leicht schielende Miss Vicki Benêt, die uns als eine Frau aus Paris verkauft wird (natürlich nur echt mit dem Zirkumflex über dem E), wirkt etwas desolat und wäre besser in Paris geblieben, anstatt sich ins Photostudio zu begeben.

Sowohl bei Dorothy als auch bei Vicki wäre es günstiger gewesen, wären nur die Hände im Bild sichtbar gewesen. Jedenfalls wird Dorothys Road To Romance sicher zu A Touch Of The Blues führen und sie wird alsbald den Pfeiler gegen eine Laterne austauschen. Beunruhigend ist nur, daß entweder die Frau auf dem Bild sehr groß war oder die Laterne sehr klein. Aber wer weiß, das ist sicher eine Gaslaterne und die zarten Hände gehören einer verzweifelten Frau voller Suizidgedanken.

Das ist jetzt mehr ein Wortwitz, der nur im Deutschen funktioniert: Besame! Sara Montiel. Also bitte, das ist schon fast Pornographie. Jedenfalls wäre es das anno dazumal gewesen.

Besame! Toni Arden in Latin America besticht zumindest noch durch ein mit allergrößter Sorgfalt ausgewähltes Schleierensemble auf dem Kopf. Zur Not läßt sich dieses Ensemble auch als Spanische Wand bzw. als Paravent nutzen, damit das mit dem Besamen etwas unbeobachtet vonstatten geht.

Aber wir wollen hier den Frauen nichts unterstellen. Denn schliesslich können sie so viel mehr als nur in knappen Köstümchen auf Plattencovern zu erscheinen. Kochen zum Beispiel. Wie Nancy Walker. Allerdings glaube ich, daß das seinerzeit der heterosexuellen männlichen Zielgruppe ziemlich gleichgültig war, ob Nancy nun kochen kann oder nicht.

Ganz anders hingegen Ruth Wallis. Da kann man nur hoffen, daß sie zumindest kochen kann. Denn wer ruft schon bei ihr auf der Partyline an? Da kann man ja gleich Frau Merkels Neujahrsrede hören, das dürfte ähnlich spannend werden wie ein Partylinegespräch mit Ruth, die ihre Parties lieber allein mit einem fragilen Stuhl feiert. Stimmung!

Stimmung gibt’s mit den McGuire-Schwestern in der U-Bahn. Wahre Schönheit entstellt eben nichts.

Das sagte sich auch Annie Ross, färbte einen alten Kartoffelsack indigoblau und ließ sich damit als Dreieck passend zum Albumdesign ablichten. Das sind Sternstunden des Schallplattendesigns, die vorher und nachher niemals mehr erreicht wurden. Zum Glück!

Denn andernfalls hätte Kitty Kallen sicher nicht so grenzdebil in die Kamera gegrinst. Das erinnert mich an die Warnung meiner Eltern, man solle auf Photos nicht extra schielen, weil die Augen ggf. so stehen bleiben könnten. Hoffen wir für Kitty, daß ähnliches nicht mit ihrem Gesicht passierte. Ja, manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns Freude bereiten.

5 Kommentare

  1. Su  am 30/12/06 um 14:24

    Herr ZAF!!! Machen Sie immer noch sich allzu gerne auf Kosten von Frauen das, was Sie als lustig empfinden mögen? Pfui, schämen sie sich ins neue Jahr, hihi. Es wird Sie wohl auch nicht bessern, steht zu hoffen.

  2. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 1/1/07 um 21:57

    Frau Su, seien wir doch mal ehrlich, die abgebildeten Personen der oben gezeigten Cover sind doch selbst schuld. Selbst bei einem B-Künstler wäre die Plattenfirma sicher bereit gewesen bei entprechendem Gezetere ein anderes Photo für die Covergestaltung zu verwenden. Von daher kann z.B. Kitty Kallen nicht auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren….obwohl bei dem debilen Grinsen…ähem, wie gut, daß ich kein Psychologe bin.
    Und Frau McRae hätte sich wirklich mal rasieren können. Andererseits hatte sie ja schon einen Job, da muß man sich dann nicht unbedingt rasieren und waschen.

  3. Tony  am 8/1/07 um 04:35

    Dieses Thema ist ein Dauerbrenner:
    http://www.sueddeutsche.de/kul.....0/?img=0.0

  4. Anonymous  am 22/7/07 um 05:41

    Hallo,

    Lustig und meist apropos Ihre Kommentare.

    “Party Line” hat allerdings mit Parties nichts zu tun.

    Das war mal eine mit mehreren anderer Parteien geteilte Telefonleitung. Manche der Teilnehmer verbrachten dann ihre Zeit damit, den Gespraechen Anderer zuzuhoeren.

    Gruss aus USA

  5. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 23/7/07 um 12:24

    Danke für die Erklärung…ich dachte bei Party Line mehr an einen Vorläufer der 0900er Nummern…willige Partychicks warten auf dich und so was in der Art.

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