Unsoziale Steil-Vorlage aus Hamburg

Letztes Jahr hatte die ZAF die Aktion Deutschland sucht den Unsozialen 2006 gestartet. Diese Aktion kann man leider auch in 2007 fortsetzen. Und einen geeigneten Kandidaten haben wir auch schon: Rolf Steil, der Chef der Hamburger Arbeitsagentur.

STEIL: Das Thema Langzeitarbeitslosigkeit muss energisch angegangen werden. Ich bin der Ansicht, dass es nicht gut ist, arbeitsfähigen Menschen jeden Monat 345 Euro Arbeitslosengeld II zu zahlen, ohne dass sie arbeiten. Der Abstand zu Niedriglöhnen ist zu gering. So bekommt man zu wenige Menschen in Arbeit. Je länger die Leute zu Hause sitzen, desto geringer werden ihre Chancen auf den Wiedereinstieg.

ABENDBLATT: Das heißt, Sie plädieren für eine Senkung der Hartz IV-Zahlungen?

STEIL: Ja, ich bin für eine mittelfristige Absenkung auf die Hälfte oder zwei Drittel - aber nur für Menschen, die arbeitsfähig sind.

ABENDBLATT: Wie soll denn bitte jemand von 200 Euro leben?

STEIL: Das soll ja niemand. Denn parallel müssen Zuverdienstgrenzen erhöht und mehr Arbeitsmöglichkeiten etwa durch Ein-Euro-Jobs im öffentlichen Sektor geschaffen werden. So kämen viele auf höhere Zahlungen als jetzt - nur dass sie dafür etwas für die Gemeinschaft tun müssten. Ich bin ein Anhänger des Prinzips “workfare” . . .

Das ganze nennt man dann wohl eine Steil-Vorlage, was Herr Steil, finanziell bestens als Staatsangestellter abgesichert, so von sich gibt. Man muß einfach nur den Druck auf dieses faule Pack der Arbeitslosen erhöhen und schon werden die jeden, aber auch wirklich jeden, noch so mies entlohnten Job abseits jeglicher rechtlicher Arbeitsvorschriften dankend und freudestrahlend annehmen. Das hatte in früheren Jahrhunderten doch auch schon immer funktioniert. Und Herr Steil und seinesgleichen können sich dann endlich (zwanghaft) willige und billige Hausangestellte leisten. Die Menschenwürde laut Artikel 1 des Grundgesetzes spielt für neoliberale Scharfmacher wie Herrn Steil keinerlei Rolle, denn er selbst ist dank seines finanziellen Polsters sicher jederzeit in der Lage, im Notfall seine eigenen Menschenwürde anwaltlich durchzusetzen.

Mit dem Thema Workfare und Hartz IV hatte sich auch neulich die Junge Welt in zwei Beiträgen auseinandergesetzt.

4 Kommentare

  1. raha  am 6/1/07 um 01:30

    Da finde ich “die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens” http://www.freitag.de/2006/44/06440301.php besser. So viele Blumenbeete, wie ca. 4 mil. Arbeitslose anlegen können, will ich in meinem Leben gar nicht sehen. Ja, ich glaube auch, dass Er sich diesen Titel verdient hat.

  2. fellow passenger  am 6/1/07 um 21:05

    Arbeitslosengeld soll nicht an Leute gezahlt werden, die keine Arbeit haben. Das wirft ein völlig neues Licht auf das Prinzip der Arbeitslosenversicherung. Die kann man dann ja abschaffen, weil jeder Versicherungsnehmer sich seine Beiträge ja dann auch gleich selbst auszahlen kann. Genial! Und wenn die ja sehr üppigen 360 Euro (200 Hartz VI + 160 Ein-Euro-Job) noch immer nicht reichen kann muß man eben einen Aufsichtsratsposten annehmen.

  3. Michael  am 7/1/07 um 22:06

    “Steil bergab” is all I have to say.

  4. FanatiX  am 8/1/07 um 10:44

    Nur leider trifft das auch die Kinder der Arbeitslosen…
    ->Steigende Kinderarmut in Deutschland

    ich find’ sowas traurig….

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