Orwellsche Verhältnisse und 99,99 Prozent

Neulich waren es laut Jörg Ziercke (Sie wissen schon, der BKA-Präsident mit der komischen Suchmaschine) noch 99,9 der Menschen in Deutschland, die von Maßnahme wie Online-Durchsuchungen nicht betroffen sein sollten. In einem Interview mit der Welt sind’s jetzt schon 99,99 Prozent der Bevölkerung, die total anständig sind und deswegen den Bundestrojaner nicht zugeschickt bekommen werden. Man nähert sich also infinitesimal langsam den 100% an. Da sollte sich doch langsam auch der anständigste Bürger fragen, warum man für nur 0,01 der Bevölkerung Online-Untersuchungen legalisieren will und ob eine einmal erfolgte Legalisierung nicht viel umfassendere Begehrlichkeiten wecken könnte.

Der zukünftige Bundestrojaner wird übrigens gar kein Trojaner sein:

Wir werden eine spezielle, hoch professionelle Software entwickeln, die sich nicht mit Hacking oder Trojanern vergleichen lässt. Die Ermittler dürfen nur einzelfallbezogen arbeiten und müssen vorab eine Umfeldanalyse der betroffenen Person vornehmen. Die Programme sollen bestimmte Signalwörter zur Suche enthalten.

Nun sind in Zeitungsinterviews die Begründungen immer etwas stark verkürzt, schliesslich braucht man auf den Oldschool-Papier-Blogs auch Platz für die Werbung. Aber die Begründung von Herrn Ziercke, warum Online-Untersuchungen nun unbedingt Datenschutz, Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht auf Unverletzlichkeit der Wohnung aufweichen dürfen, ist mehr als dürftig.

Die Polizei braucht dieses Instrument dringend, um zum Beispiel Terrorismus, Organisierte Kriminalität, Menschen- und Waffenhandel sowie Wirtschaftskriminalität besser bekämpfen zu können.

Das Buzzword Kinderpornographie hat er in diesem Zusammenhang leider vergessen. Mit derselben Begründung könnte man aber auch wahllos Durchsuchungen in der Bevölkerung machen und bei jedem zweiten würde man etwas finden.

In schönster Ulbricht-Manier (Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.) stellt Ziercke noch fest: Niemand muss Orwellsche Verhälnisse befürchten. Wo die Reise hingeht, dürfte also klar sein.

[via heise.de]

9 Kommentare

  1. Tony  am 16/2/07 um 13:24

    Gewaltspiele? Der Mann hat der deutschen Gewaltspiele-Industrie geschadet? An die Wand mit ihm!

    Diese man solche Propganda-Meldungen einfach ungefiltertert bei Heise weitergibt ist mir schon länger ein Dorn im Auge. Unter Objektivität verstehe ich was anderes als die Meinung eines Pressesprechers wiederzugeben. Gut das es das Heise-Forum gibt, das stellt meine Hoffnung in die Menschheit wieder her.

  2. 3967  am 16/2/07 um 17:52

    Herr Tony, das ist ja eine Nachricht -
    Nanotechnik. wie soll man sich den da noch entziehen. gehört dann zu jedem datenschutzbewustem-Bürger dann ein Mikroskop?

    Ich könne Kotzen, diesen Spinnern musste man mal mit diesem RFID-Pulver die Suppe salzen! ;-)

    Die Spinnen an einem panoptischem Mehrfach-Überwachungsnetz , so dass man am Ende von jeder Technik gleich mehrere Geräte in seiner persönlichen Reichweite hat,
    Bewusst UND heimlich!

    Die die sich nicht Freiwillig per Computer,Handy
    und Kundenkarten überwachenlassen,
    sollen nicht entkommen können - eine Sauerei hoch sechs!

  3. Tony  am 16/2/07 um 22:23

    Wobei man der Fairness wegen sagen muss das zu dem RFID-Chip (noch) eine Antenne gehört die ein paar qcm Fläche benötigt. Die Antenne ist aber im Gegensatz zum Chip flexibel, also wäre eine Integration in einen Geldschein (wie in dem Artikel erwähnt) durchaus denkbar. Ich denke ausserdem das je kleiner der Chip umso unempfindlicher gegen mechanische Beanspruchung ist er.

  4. 3967  am 16/2/07 um 23:28

    Herr Tony, das entschärft die Sache nicht wirklich.bei Micro- oder Nanochips gibts es natürlich auch Micro- oder Nanoantennen.

    Wenn man diesen Spinnern die Suppe mit diesem RFID-Pulver(Nudeln) versalzt, fällt es trotzdem nicht auf, außer am bitteren Beigeschmack ;-)

  5. Tony  am 18/2/07 um 00:03

    Wobei ich mich frage ob man nicht den Spiess umdrehen sollte. Schlagt Sie mit Ihren eigenen Waffen! Verwanzt den Bundestag, durchsucht den Computer der Kanzlerin (sie hat doch einen?), überwacht den Verfassungschutz, Vorfeldbeobachtung von CEOs und das ganze garniert mit einem Bericht über die Verfassungstreue des Bundesinnenschäubels.

  6. 3967  am 18/2/07 um 01:59

    Herr Tony , das ist im Prinzip eine tolle Idee,
    aber - ;-)
    einige sind gleicher als gleich,
    und es soll auch noch Leute geben die sitzen am längeren Hebel.

    Wer so etwas macht ist dann gleich ein Terrorist.
    Andererseits, wer ist denn heutzutage kein Terrorist mehr? ;-)
    noch ein par Monate dann heisst es nur nicht mehr
    Bürger der Bundesrepublik Deutschland sondern,
    Bürger der Europäischen Union vereinter amerikanischer Nation ;-)

    Alle anderen wozu ungefähr 90 Prozent zählen werden tragen noch zusätzlich den Präfix ”Terrorverdächtiger”.
    ist also eine Art Judenstern.
    Und man muss jederzeit damit Rechnen von der CIA
    entführt zu werden um in ein amerikanisches KZ deportiert zu werden.

    Ach so, sind Sie überhaupt in der Lage - rein theoretisch derartige Dinge praktisch umzusetzen?
    oder ist es nur eine Rachefantasie :-)

  7. Tony  am 18/2/07 um 17:23

    “Europäischen Union vereinter amerikanischer Nation”? Nein, nein, nein. Eurasien wird Oceania zusammen mit Airstrip One den Krieg erklären. Nein, wir hatten schon immer Krieg mit Oceania. Und Ost-Asien war schon immer unser Freund. Und Osama Bin Laden wird unser wichtigster Verbündeter gegen die oceanischen Terroristen. Nein, er war schon immer unser Verbündeter. Und Emmanuel Goldstein wird unser neuer Feind. Nein, er war schon immer unser Feind.

    Ansonsten nein, ich bin nicht in der Lage sowas durchzusetzen, es ist aber kein Problem der Technik sondern der Ressourcen: Menschen und Geld. Aber für sowas muss man nicht Millarden für einen Geheimdienst ausgeben, das geht heutzutage eheblich billiger (Globalisierung sei dank). Bot-Netze und Hacker kann man für wenig Geld anheuern. Überwachungstechnik kostet auch nicht mehr die Welt. Aber man braucht trotzdem Geld für die Technik und Leute die sie einsetzen.

    Letztlich ist es keine Frage ob ich will oder kann, oder ob es Rache ist. Es ist eine Frage ob wir dieses Mittel nutzen sollten, der Gegner denkt schon laut darüber nach. Aber letztlich würde man so damit solche Maßnahmen moralisch gutheissen. Also besser nicht.

  8. 3967  am 18/2/07 um 20:02

    Herr Tony, Sie klingen ja schon ziemlich verwirrt.Der große Bruder hat Ihnen aber schon hart zugesetzt.Sie müssen lernen Fiktion und Realität zu unterscheiden.
    Denn die Fiktion wurde schon seit einiger Zeit
    von der Realität überholt.

    zur Moral, es wäre Falsch dieses Mittel auszuschließen nur weil man besser dastehen will.
    Es ist wie im Kampf, der mit den besseren Waffen gewinnt meistens.

    kennen Sie das Sprichwort: ”Wenn du Sie nicht besiegen kannst werde einer von Ihnen”
    (Quelle: suche ich noch)
    so oder in ähnlicher Form.

    Nicht die Mittel sondern der Zweck entscheidet,
    ob eine Unternehmen ”gut” oder ‘’schlecht”
    ist.

    Aber das ist ja immer alles relativ vom Standpunkt des Betrachters aus ;-)

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