Neuer Faschismus zur Rettung des weißen Mannes

Über das INSM-Watchblog bin ich auf Manfred Pohl und dessen neo-faschistisches Buch Das Ende des weißen Mannes aufmerksam geworden.
Nach Worten des ehemaligen Generalsekretär der Alexander von Humboldt-Stiftung, Manfred Osten, handelt es sich dabei um eine kosmopolitischen Pflichtlektüre für eine Pädagogik der Zukunft. Und auch der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog, mit Manfred Pohl im Konvent für Deutschland verbandelt, ist sich nicht zu schade, das Buch mit den Worten “Wir bedürfen klarer Handlungsaufforderungen, um Überlebenschancen zu entwickeln, damit unsere Kinder eine Zukunft haben.” zu bewerben.

Inhaltlich scheint dieses Buch eine Art neoliberaler Mein Kampf der Neuzeit zu sein:

Die Hinüberrettung von abendländischen Kulturwerten in die unvermeidliche Ära des “Multi-Colour-Man (MCM)”, heißt es in dem auf breite Leserschichten zielenden Druckerzeugnis, sei “unsere einzige Hoffnung und unser unveränderliches Ziel.” Die “Identität, das Zugehörigkeitsgefühl” sollten bei allen demographischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte “deutsch, europäisch oder amerikanisch bleiben.” Weiter heißt es: Der “Kampf um die Weltherrschaft” habe begonnen. Der Islam sei eine “kriegerische Religion.” Im Kampf “zwischen den Muslimen und dem Weißen Mann” gebe es “keine Toleranz und keine Akzeptanz.” Moslems würden keine “europäische Identität übernehmen.” Bei Strafe des Untergangs brauche Deutschland eine “Erziehung zu mehr Arbeit, mehr Leiden”. Da nur fünf Prozent der Menschen in der Lage seien, geistige Höchstleistungen zu vollbringen und über 20 Prozent “nicht bildungsfähig” seien, müßten die Kinder schon in der Grundschule zwecks Elitenerziehung getrennt werden. Die derzeitige Demokratievorstellung müsse “infrage gestellt”, nach dem Modell einer Aktiengesellschaft umgeformt, die Regierung von entscheidungstarker Hand wie ein privates Unternehmen geführt werden. Die Frauen sollten aufhören, Männer werden zu wollen, statt dessen ihrem “biologisch ausgeprägten Mutterinstinkt folgen” und ihre Weiblichkeit “akzeptieren und zum Zug kommen lassen.”

[Der Artikel in der Jungen Welt ist mittlerweile nur per Abo zugänglich, hier findet sich allerdings eine Kopie.]

Medien wie die Westdeutsche Zeitung sehen das ganze unreflektierter, trotz eindeutig verfassungswidriger Handlungsaufforderungen Herrn Pohls, und kommen zum Schluß, daran sei viel Wahres und einige seiner Ansätze sollten in Ruhe weiter- und zu Ende gedacht werden.

Das demokratische System der Bundesrepublik hält Pohl für nicht mehr lebensfähig. Zu komplex sei es, Politiker handelten als Technokraten am Volk vorbei. Sein Vorschlag: Bundespräsident und Bundeskanzler werden vom Volk gewählt. Es gibt nur noch acht Bundesländer, der Bundesrat wird durch einen Bundeskonvent mit 50 Mitgliedern ersetzt, dieser wählt die Bundesregierung. Beamtentum und Kommunen: aufgelöst. Ältere sollten in einem zweiten Arbeitsleben das Gemeinwohl retten helfen, etwa durch die Integration von Ausländern oder Kinderbetreuung in den Gemeinden.

Und Überraschung…eine Direktwahl des Bundespräsidenten wird aktuell diskutiert, ein freiwilliges soziales Jahr für Senioren ist auch in der Planung und nicht vergessen sollte man die Förderung von ‘aktivem Älterwerden’ durch längeres Arbeiten im Rahmen der Lissabon-Strategie der EU.

Nach Pohls Vorstellungen herrscht die Wirtschaft am besten gleich über das Volk ohne den in der Demokratiesimulation üblichen Umweg über Politikerkaufen, Lobbyisten etc.

Um seine radikalen Reformen durchzudrücken, postuliert Pohl auch eine tief greifende Umgestaltung der politischen Institutionen: “Bisher mussten die Parteien, die Lobbyisten, die betroffenen Institutionen und so weiter alle in den Entscheidungsprozess mit ihren Vorschlägen einbezogen werden, was unternehmensstrategisch eine Katastrophe ist.”

Das wäre zwar ehrlicher als die derzeitige Simulation, beinhaltet aber ein völlig anderes Staats- und Menschenverständnis (z.B. mit der von Pohl geforderten frühzeitigen Unterteilung in brauchbares, bildungswürdiges und rund zwanzig Prozent nicht bildungsfähiges Menschenmaterial), wenn sich alles, aber auch wirklich alles wirtschaftlichen Gesichtspunkten unterzuordnen hat und im Prinzip jegliche Handlungen unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden.
Was Manfred Pohl in seinem Pamphlet Das Ende des weißen Mannes propagiert ist also nichts anderes als eine Abschaffung des Grundgesetzes. Man könnte auch diskutieren, inwieweit Herr Pohl durch den Mißbrauch der Freiheit der Meinungsäußerung in seinem Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung seine Grundrechte verwirkt hat (Artikel 18 GG).

6 Kommentare

  1. 3967  am 27/6/07 um 00:49

    Kann man diesen abgedrehten Faschisten nicht irgendwie stoppen?
    Verfassungsschutz?

    Ja ok, der Verfassungsschutz arbeitet ja eher gegen die Verfassung, aber trotzdem irgendwie?

  2. Herr Karloff  am 27/6/07 um 14:28

    Ja dann mal Sieg Hail…
    Ich hoffe er hat auch bedacht das man nur perfekte Sportler mit den Genies der Gesellschaft kreuzen darf, streng der Regel “gesunder Geist in gesundem körper”

    Ich habe eigentlich bis vor kurzem Mr. Bush die Rolle der Reinkanation von Hitler zu gedacht … aber vielleicht sollte ich das noch mal überdenken.

    Leider wird uns der Verfassungsschutz nicht helfen, da dieser sich nur gegen Linke und Freidenker stellt.

  3. pascal  am 27/6/07 um 15:24

    Super Sache, endlich ein Feindbild, das den Namen mal verdient!
    Über wen man sich sonst alles so aufregt — Beckstein, Schäuble, Pofalla… alles Witzfiguren. Endlich jemand, den man von ganzem Herzen hassen darf. Das wird die Revolutionistische Bewegung ankurbeln. Ich stell schon mal die Cocktails kalt.

    Gut, das Problem an der Sache ist, man wird ihn genauso wie Hitler verkennen, den ja auch “alle” für eine Witzfigur hielten sofern sie sein Buch gelesen haben was ja “keiner” tat (weshalb ihn im Umkehrschluss auch niemand für eine Witzfigur hielt, also passt es eigentlich wieder). Und: es wird keine Machtergreifung mit Verhinderungsmöglichkeit geben, denn die Herren sind ja bereits an den entsprechenden Hebeln.

    Und ich meinte zu meiner Mutter, die ständig den faschismus wieder nahen sah, niemand habe mehr vor, hier soetwas hinzubauen, denen würde es reichen, die Taschen voller Geld zu haben. Offensichtlich haben sie jetzt genug, also kommt jetzt der Faschismus.

  4. Arne  am 4/7/07 um 00:14

    Und wer befreit uns dieses Mal vom Faschismus? Cuba? Wohl caum.

  5. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 4/7/07 um 13:05

    Das, Herr Arne, müssen wir wohl diesmal selbst in die Hand nehmen. Oder vielleicht kommen uns auch Außerirdische zu Hilfe…

  6. Herr Tony, der Besitzstandswahrer  am 4/7/07 um 15:34

    … oder die Chinesen, weil sie ein geopolitisches Interesse an stabilen Absatzmärkten haben.

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