Erneuerte Soziale Marktwirtschaft, die EU und ein paar Feindbilder
Letzten Sonntag hatte Angela Merkel beim Festakt zum 60. Gründungstag der Evangelischen Akademie Tutzing eine Rede gehalten, in der sie sich u.a. zum neoliberalen Umbau des Staates bekennt, was man propagandistisch aber lieber als erneuerte Soziale Marktwirtschaft bezeichnet.
Wie wenig Frau Merkel von Demokratie und der Einflußnahme der Bevölkerung hält, zeigt sich einmal mehr anhand ihrer Gedanken zur Europäischen Union:
Genau, völlig undemokratisch in Geheimdiplomatie hinter verschlossenen Türen beschlossene Ergänzungs-/Änderungs-/Nicht-Verfassungs-Verträge nehmen den Bürgern ganz sicher die Angst vor einem allmächtigen Superstaat, besonders wenn Gegner des EU-Molochs als Terroristen verunglimpflicht werden.
Ganz schlechte Rhetorik, Frau Merkel. Wenn wir ehrlich sind, ehrlich gesagt und ähnliche Formulierungen sollte man vermeiden. Beinhaltet diese Redewendung doch immer das Eingeständnis, daß man zuvor nicht ehrlich war und den Gesprächspartner bzw. Zuhörer angelogen hat.
Rechnung tragen könnten Sie, Frau Merkel, den Sorgen der Bürger der EU ganz einfach. Sie müssten nur das Nein der Niederländer und Franzosen anerkennen. Sich derart absolutistisch über den Souverän hinwegzusetzen, heißt nämlich alles andere, als die Sorgen ernstzunehmen. Und welchen Wert haben Volksbegehren, wenn diese nur befolgt werden, falls das Ergebnis der EU-Kommission und dem Rat genehm ist?
Da sieht man einmal mehr, daß Frau Merkel von einer Demokratie wenig hält. Denn es geht ihr um möglichst schnelle Entscheidungen, die möglichst nicht in einer breiten, umfassenden, demokratischen Debatte gefällt werden. Denn dies beansprucht natürlich eine gewisse Zeit und ist selten ad hoc möglich.
Zum Abschluß wird dann noch schnell das Feindbild des Irans aufgebaut, dessen Präsident nicht nur Israel bedroht, sondern den ganzen europäischen Kontient.
Warum jetzt die Leugnung oder Relativierung des Holocausts eine Bedrohung für Europa darstellt, ist mir leider unklar. Soweit ich informiert bin, gilt das deutsche Strafgesetzbuch und dessen Paragraph 130 für Nicht-Deutsche im Iran nicht, so daß Irans Präsident durchaus straffrei den Holocaust leugnen kann. Daß er sich dadurch eher selbst diskreditiert, steht auf einem anderen Blatt. Eine Gefährdung des öffentlichen Friedens in Deutschland oder Europa kann ich auch nicht erkennen, da der Zuspruch - wie zu erwarten war - vor allem aus dem äußeren rechten Spektrum kam und der breite, gesellschaftliche Konsens über die Existenz des Holocaust nicht einmal ansatzweise erschüttert wurde.
Persönlich halte ich ein Verbot bestimmter Äußerungen für nicht vereinbar mit einem Recht auf wirklich freie Meinungsäußerung. Ein Verbot macht die verbotenen Sachen erst interessant und erscheint mir immer so, als ob man nicht willens oder in der Lage ist, durch die besseren Argumente zu überzeugen.
2 Kommentare
Herr Tony, der Besitzstandswahrer am 11/7/07 um 09:14
Wir müßen die Bücher nur von den richtigen Leuten (TM) schreiben lassen.






pascal am 10/7/07 um 22:25
Nun ja. Die Holocaust-Leugnerei könnte man natürlich mit einem Geschichtsbuch gut kontern.
Nur stehen in den Geschichtsbüchern noch ein paar andere Dinge drin, die für die vorhaltende Kanzlerin denn vielleicht ein bisschen unangenehm werden könnten.
Also: einfach das Geschichtsbuch ganz weglassen und eine andere Lösung finden, dann wirds auch nicht peinlich.