Die FDP Hamburg, Hamburgs wahre Spaß-Partei

In Hamburg ist - wie schon mehrmals erwähnt - gerade Wahlkampf. Da sind Politiker und solche, die es werden wollen nie um markige Sprüche verlegen. Zum Beispiel der hölzerne Mann mit der gelben Fliege, Hinnerk Fock:

FDP-Spitzenkandidat Hinnerk Fock sagte, wer staatlichen Wohnungsbau fordere, solle sich an die Zustände in der DDR erinnern.

Ich hielt ja bisher Die Partei für die lustigste Partei im aktuellen Wahlkampf. Aber wie ein Blick auf die Webseite des liberalen, gelben Discounters zeigt, ist die FDP Hamburg der Partei um Meilen voraus, vor allem, weil die FDP das dort Gesagte und Gezeigte ernst meint. Und der für die Webseite verantwortliche hat ganz sicher einen Kurs So präsentieren Sie Ihre Webseite im trendigen Web 2.0-Look mit Spiegelungen und sonstigem Schnickschnack mitgemacht. Leider war da schon alles Know-How verbraucht und ohne JavaScript sieht man mitunter nur gelbe Rahmen oben und rechts. Aber ansonsten wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Es gibt ultra-trashige Video (bei dem Wahlwerbespot mit einem C-Schauspieler frage ich mich allerdings, ob da nicht Loriot Regie geführt hat), viel zu lange Podcasts und puppenlustige Texte.
Da ist z.B. der mehr als gequält-gekünselt zu lächeln versuchende Hinnerk Fock, der in Hamburg das 30-Fächer-Studium “Werbeassistent” (Jahrgangsbester) absolvierte. Und wie Herr Fock konstatiert, ist Hamburg von dunklen Mächten, die wahrhaft böses wollen, bedroht:

Keine Feinde oder Fürsten bedrohen heute Hamburgs Freiheit. Leider gibt es aber eine Macht, die es oft gar nicht böse meint, aber viel Böses anrichtet: die Bürokratie. Hier ein Gesetz und da eine Verordnung und dort ein Verbot – und plötzlich werden wir alle immer mehr behindert: als Kaufleute, Senioren, Schüler, Arbeitnehmer, Autofahrer, Hausbauer… alle. Immer mehr.

Die FDP hat auch den super drögen Dr. Thomas-Sönke Kluth (mit der Personen-ID-Nummer 3 - wie ein Blick in die URL zeigt) im Angebot, der meint, City-Maut ist City-Mord (abgasverpestete, durch Staus und parkende Autos unbenutzbare Innenstädte sind natürlich Leben pur). Über den Herrn Kluth erfährt der geneigte Leser noch, daß er mit seiner Lebensgefährtin, deren Tochter und seinem adligen Golden Retriever (”Zaruna vom Einödhof”) in Marienthal wohnt. Manchmal wäre es besser, Politiker erzählten nicht alles über sich (und ihre Hunde), sondern machten ein kleines Geheimnis aus sich (und ihren Hunden).

Ein weiteres Highlight ist der große Motivator Leif Schrader! Herr Schrader ist sozusagen die Allzweckwaffe der Hamburger FDP. Vielseitig einsetzbar und macht immer willfährig, was die Partei ihm aufträgt.

Leif Schrader ist seit 10 Jahren Rechtsanwalt und seit 20 Jahren Mitglied in der Hamburger FDP. Hier tat er immer, was die Partei verlangte; mal Juli-Chef, mal FDP-Chef, mal auch Mitglied im FDP-Bundesvorstand. In der Plattdeutsch-Debatte der Bürgerschaft 2002 sprach er für die FDP-Fraktion den plattdeutschen Beitrag. Verbindet seit Jahren seine liberalen Neigungen (genetisch bedingt: Mutter aus Baden, Vater aus dem Harz) mit seinem Hang zu reisen – durch große Aktivitäten in dem liberalen internationalen Jugenddachverband IFLRY.

Die FDP hat auch Menschen mit herausfordernden, wirklich das Äußerste verlangenden Extreminteressen wie z.B. den Sprecher für Medien, Stephan von Hundelshausen.

Und wie kommt so jemand zur trockenen Juristerei? “Mich reizten die Fragestellungen – 90 Minuten lang prüfen, ob Glasbausteine ein Fenster darstellen oder einen Teil der Wand…!”

Wie es sich für eine liberale Witz-Partei gehört, dürfen auch Frauen mitspielen wie z.B. Frau Gosche:

Dr. Anna Gosche hat vier Haupt-Leidenschaften: Rechtswissenschaft (am liebsten Kultur- und Medienverfassungsrecht), Musik (speziell Barock), ihren Ehemann Per (natürlich blond) und Politik (selbstverständlich FDP). Sie bringt immer wieder Verbindungen zwischen diesen Leidenschaften zustande. Bei der Heirat war sie nur bereit, ihren Mädchennamen Krasowka abzugeben, wenn er in die FDP einträte. Ihre Rechtsreferendar-Stellen waren u.a. Kulturbehörde und Laeiszhalle. In der Juristen durchdrungenen Friedrich-Naumann-Stiftung gründete (und leitet) sie ein Kammerorchester. Sie verlangt sich viel ab. Als sie (165 cm Länge über alles) in einem Orchester Posaune (5 kg) spielen wollte, musste sie erst mit Hanteln üben; aber es klappte prima. Sie segelt auch bei schwerer See nach Helgoland, kommt beim Hochgebirgswandern schon mal über 3.000 Meter und verlässt einen Dolomiten-Gipfel gerne per Gleitschirm. Seit ihrem Jura-, Musik- und Kunststudium (!) in Osnabrück, Florenz und Hamburg kocht sie leidenschaftlich gern italienisch.

Schön, wenn ein Studium dreier Fächer so von Erfolg gekrönt ist, daß man danach leidenschaftlich kochen kann. Ich hätte bei Jura, Musik und Kunst allerdings an etwas andere Studieninhalte gedacht, aber seitdem ich mein Studium (was mit Modellversuchen zur Maillard-Reaktion allerdings viel eher was mit dem Thema Kochen zu tun hatte) beendet habe, hat sich an den Unis ja vieles zum Schlechteren gewandelt, so wohl auch die Lehrpläne.

Die FDP gibt, wie man schon ahnt, auch dem Nachwuchs eine Chance. Da ist z.B. Sebastian Frick, das Juli-Küken und Sprecher für Jugendpolitik, Senioren und Tourismus.

Sebastian Frick, Hamburgs Juli-Chef, ist ein glücklicher Mensch; wer ihn nur 5 Minuten spricht, merkt: Der muss tolle Eltern haben! Privater Lebens-Turbo: Wo andere Niederlagen empfinden, sieht er Chancen. Seine sport-ambitionierte badische Schule Birklehof (Salem-Ableger) fand ihn im 400-m-Freistil olympiareif, doch er war’s nicht. Na gut.

Und wer nur 5 Minuten die Texte auf der FDP-Webseite liest, merkt: Die FDP ist immer noch die Spaß-Partei schlechthin. Wer sonst käme auf so überzeugende Claims wie Gelber Wahlschein = gelbe Stimme oder Leinen los! Hunde nicht an Menschen fesseln. Der Spitzenkandidat sagt dann im Video auch gleich “Wir von der FDP sind überzeugt, daß es Freiheit für Hundebesitzer geben muß…” Ich fände es manchmal aber gar nicht so verkehrt, manche Politiker an der kurzen Leine zu halten.

8 Kommentare

  1. Herr Tony, der Besitzstandswahrer  am 13/2/08 um 15:40

    Ein Verein von Rechtsanwälten die sich über zuviele Gesetze beschweren? Sehr merkwürdig, das.

    Parteien im ZAF-Test? Können Sie auch ein paar kritische Worte zur Hamburger LINKEN sagen? Das würde mich sehr freuen.

  2. pascal  am 13/2/08 um 16:22

    Bitte nicht, die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle als völlig unwählbar herausstellen ist zu hoch, das wirft mich dann wieder in meine Depression…

  3. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 13/2/08 um 16:47

    Keine Sorge, Herr Pascal, einen ZAF-Wahltest für Hamburg, wie Herr Tony ihn vorschlägt, habe ich nicht geplant. Das mit der FDP ergab sich rein zufällig, als ich die TAZ-Meldung gelesen hatte. Da musste ich doch mal ein wenig investigativ tätig werden und schauen, wer dieser Herr Fock überhaupt ist. So ohne Radio und Fernsehen bekomme ich ja zum Glück recht wenig von Hamburgs lustiger Posemuckelpolitik der FDP mit. Und hätte die FDP einen schmerzfreien, seriösen Webauftritt, dann hätte ich auch nichts dazu geschrieben.

  4. Mir, Herr Mir  am 13/2/08 um 18:54

    …, kommt beim Hochgebirgswandern schon mal über 3.000 Meter und verlässt einen Dolomiten-Gipfel gerne per Gleitschirm…
    (Dr. Anna Gosche)

    Hatten die in der FDP nicht schon mal jemanden, der gerne durch die Luft….

    Au weia!

  5. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 13/2/08 um 19:19

    Sie meinen, den Onkel mit dem pfiffigen Produkt, Herr Mir? Der war - soweit ich mich entsinne - eher mit einem Fallschirm unterwegs (an dessen Unterhaltungswert kommt Frau Gosche, soweit ich das mittels des Videos dort beurteilen kann, nicht im Entferntesten heran). Immerhin ist er seinerzeit zurückgetreten als das mit den Einkaufswagenchips rauskam. Heutzutage tritt ja kein Minister mehr wegen solcher Lappalien zurück. Das ist zumindest etwas was man der FDP zugute halten muß…leuchtendes Beispiel ist da natürlich Frau Leutheusser-Schnarrenberger, die sogar aus politischen Überzeugungen zurückgetreten war und nicht über eine Affäre stolperte.

  6. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 13/2/08 um 20:58

    Zu Herrn Fock habe ich gerade noch folgendes, fast schon biblisches Zitat entdeckt:

    Wer also ein Einkommen erzielt, das nicht zum Leben reicht, der wird staatlich bezuschusst. Je höher das eigene Einkommen ist, desto höher ist dann durch die staatliche Bezuschussung auch das verfügbare Einkommen.

    Wer hat, dem wird also gegeben? Je höher das eigene Einkommen, desto mehr Knete vom Staat? Bisher hatte ich das Subventionierungsprogramm für Unternehmer, die nur Hungerlöhne zahlen wollen, ja anders verstanden. Je niedriger der Lohn, desto mehr Subventionen durch Kombilöhne und ähnlichen Schmarrn.

  7. Herr Tony, der Besitzstandswahrer  am 15/2/08 um 10:11

    Irgendwie musste ich bei diesem Video an Herrn Fock denken…

  8. jimmy  am 18/2/08 um 00:24

    Mir persönlich aufgefallen ist diese manipulative Gestaltung der Umfragen auf der FDP-Seite…

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