Linktipps II (Donnerstag, 6. März 2008)
Da hat die Linke einige Erfolge auf Landesebene und schon werden Rufe nach Änderung des Wahlsystems laut. Manche abgehalfterte Politiker wie Ex-Bundespräsident Roman Herzog oder Klaus von Dohnanyi sind sich aber auch für nichts zu schade.
Der Vertrauensschwund gegenüber den “Volksparteien” liegt in ebendiesen Parteien selbst begründet, Herr Herzog. Wenn Parteien jahrelang Politik im Sinne der Wirtschaft und gegen den Willen der Bevölkerung machen, dann darf man sich nicht wundern, wenn immer weniger Bürger Interesse haben, alle vier bis fünf Jahre ihre Kreuzchen zu machen, sich der Partei der Nichtwähler anschließen und sich vom Politklimbim fernhalten. Das Problem ist doch kaum, wie die 50-60%, die noch zur Wahl gehen wählen, sondern daß eine immere größere Masse an Wahlberechtigten den Wahllokalen fernbleibt.
Das Kinderbuch Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel wurde von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften nicht als jugendgefährdend eingestuft. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, daß nun Anhänger religiöser Wahnvorstellungen eine Diskussion über die Meinungsfreiheit lostreten wollen und sich damit eigentlich so verhalten, wie es im Buch kritisiert wird.
Ekelhaft und gefährlich, wenn man denn einen derartigen Jargon benutzen möchte, sind eher die Äußerungen von Herrn Kramer. Warum sollte Atheisten Propaganda zur Beeinflußung von Kindern verwehrt bleiben, wenn die Christentum, Judentum und Islam das gleiche seit Jahrhunderten in Blau betreiben? Killerbibeln z.B. dürften auch kaum für Kinder geeignet sein, trotzdem zwingen gläubige Christen ihre Kinder, sich damit auseinanderzusetzen, um sie für ihre Götzenverehrungen zu begeistern. Manche Kinder fallen leider darauf herein und entwickeln sich dann zu religiösen Fanatikern, die anderen den Mund verbieten wollen. Ob Herr Kramer als Kind auch die Bibel lesen musste?
Der Deutscher Industrie- und Handelskammertag möchte Teile bisheriger Polizeiaufgaben privatisieren und beruft sich dabei auf eine Studie, die von der Handelskammer Hamburg, dem Verband für Sicherheit in der Wirtschaft Norddeutschland und dem Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen in Auftrag gegeben wurde, die - oh Wunder - das wohl gewünschte Ergebnis der Auftraggeber lieferte.
7 Kommentare
Kreuvf am 7/3/08 um 08:43
“Der Vertrauensschwund gegenüber den “Volksparteien” liegt in ebendiesen Parteien selbst begründet, Herr Herzog.”
Vollste Zustimmung, Herr ZAF. Wenn jemand meint seine wahre Unterstützung ignorieren zu müssen, hat er eben gelitten.“Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, forderte eine breite öffentliche Diskussion darüber, wie weit Meinungsfreiheit gehen dürfe.”
Wundert mich, dass er nicht gleich Bücherverbrennung fordert…“auf eine eine Studie” –> “auf eine Studie”
“Gutachten zur Zusammenarbeit von Polizei und Wirtschaft”
Endet dann wohl so, dass bei Mitarbeitern von Firma XYZ auch mal ein paar Augen zugedrückt werden, denn schließlich arbeitet man ja zusammen!
“Die Übertragung einiger Polizeiaufgaben auf private Unternehmen ist juristisch machbar.”
Wahnsinn, und dazu braucht’s eine Studie? Um herauszufinden, dass es juristisch machbar ist? Juristisch machbar ist doch im Grunde sowieso alles…Wintermute am 7/3/08 um 09:13
Ob Herr Kramer als Kind auch die Bibel lesen musste?
Als Mitglied des Zentralrats der Juden gehe ich ja eher nicht davon aus.
ben am 7/3/08 um 10:13
herr zaf, der herzog wird doch großzügig alimentiert, warum sollte er aufeinmal (gehen wir davon aus er hätte etwas mit der realtität am hut) sagen, dass wir ein problem haben? wir haben doch nunmal eine christliche partei mit sozialen werten und eine soziale mit christlichen, dass muss dem urnenpöbel genügen. alles andere sind befindlichkeiten und gefühlte politikverdrossenheit…
Zenzizenzizenzic Armee Fraktion am 7/3/08 um 12:00
Da steht leider nicht, welcher Religion (oder ob überhaupt einer) Herr Kramer als Kind/Jugendlicher angehörte, aber möglich wäre es, daß er als Kind die Bibel lesen musste. Ganz abgesehen davon, war meine Bemerkung dazu eh sarkastisch gemeint.
Und Bücherverbrennungen zu fordern, Herr Kreuvf, ist in Deutschland immer etwas obsolet, wenn man hingegen aus ökologischen Gründen Bücher dem Thermorecycling zuführen möchte, dann könnte man ggf. einige Symphatisanten finden.
der Chef am 7/3/08 um 16:32
Wieso ökologische Gründe? Ich finde, da sollten ästhetische Gründe schon ausreichen dürfen, wie sich ein Durchschnittsqualitätsjournalist in einem großen deutschen Fischeinwickelmaterialiensherstellungsprodukt (fälschlicherweise zeitung genannt) bereits im Hinblick auf gewünschte Verbote aussprach.
fellow passenger am 8/3/08 um 22:37
Die oberste deutsche Zensurbehörde heißt übrigens Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Sie darf ja schließlich nicht nur Bücher ver
brennenbieten.Besonders erheiternd fand ich ja, daß im Antrag für die Indizierung des Buchs behauptet wurde, es sei “geeignet die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen … Persönlichkeit zu gefährden”.






Wandermaus am 7/3/08 um 00:04
Was Sie nicht zitieren, Herr ZAF, ist “dass sich ein Minderheitskanzler für jedes Gesetz, das er für nötig hält, die erforderliche Mehrheit im Parlament zusammenbetteln” und “die unsinnigsten Kompromisse eingehen und die sachwidrigsten Kompensationsgeschäfte machen” müsse.
Es ist schon erstaunlich, dass ein ehemaliger Verfassungsrichter nicht weiss, wer die Legislative ist. Wikipedia drückt das nett aus: “Dieser Titel drückt aus, dass der Regierungschef nicht etwa der Souverän ist, sondern nur im Auftrag der Legislative, gewissermaßen als Gehilfe, das Land verwaltet.”
Umgekehrt wird doch ein Schuh daraus: Der Kanzler muss sich in einer solchen Situation auf notwendige Sachfragen, sowie rationale und überzeugende Argumentation beschränken und die Ideologie (der Fraktion) bleibt endlich mal aussen vor.
Die privaten Sicherheitsdienste waren in Heiligendamm übrigens schon im Einsatz, nämlich um das Gebäude der Landesregierung während der “tollen Tage” im Juni 2007 zu sichern.