Rumgenöle am späten Mittwochabend
Vor einer Woche gab es eine Großrazzia gegen Chemikalienhändler und deren Kunden. Dabei soll es irgendwie um Drogen und deren Synthese gegangen sein. Einige von Hausdurchsuchungen Betroffene berichten da allerdings etwas anders. Da ist auf einmal von Vorwürfen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz oder von einem Verdacht der Vorbereitung eines Explosionsverbrechens die Rede.
Passend dazu der Hinweis, daß das Chemikaliengesetz (Chemikalien-Verbotsverordnung - ChemVerbotsV) verschärft werden soll. Zukünftig, und das ist sicherlich für Herrn Ben interessant, soll dann auch bei der Abgabe von Wasserstoffperoxidlösungen mit einem Massengehalt von mehr als 12 Prozent ein Versandverbot gelten und bei Abgabe muß die Identität festgestellt und die Daten 5 Jahre aufbewahrt werden. Also schnell noch bei dem Angebot hier zugreifen! 1 Liter 49,5%ige Wasserstoffperoxidlösung für nur 15 Euro! Der Knallerpreis für alle Nachwuchsterroristen!
Wie gut, daß meine Kontaktlinsenreinigungslösung weniger als 12% H2O2 enthält.
[Dank an Herrn Bombjack für die Links zur Versuchschemie.]
Womit ich gleich beim nächsten Punkt bin: Kontaktlinsenpflege. Da Ökotest für die aktuelle Ausgabe diverse Pflegemittel getest hatte, habe ich mich hinreißen lassen, das Heft käuflich zu erwerben. Dazu nachher mehr. Bisher verwendete ich einfache All-in-one-Kombilösungen, die allesamt mit Pauken und Trompeten durchgefallen sind. Diese Tatsache und die beim Googlen gefundene Dissertation In-vitro-Prüfung der mikrobioziden Wirksamkeit von 17 Kontaktlinsenpflegesystemen für weiche Linsen auf Basis der DIN ISO 14729 von Andreas Schneider haben mich dann doch bewogen, zu einem Reinigungssystem auf Peroxidbasis umzuschwenken.
Und wer glaubt, die bekäme man im Internet sicher billiger, der täuscht sich leider. Ich war ganz erstaunt, daß es eine 3-Monatspackung eines der in der verlinkten Doktorarbeit für gut befundenen Kontaktlinsendesinfektionsmittel bei einem nicht ganz so kleinen Optiker rund 10 Euro günstiger gab als den günstigsten Preis, den ich im Internet gefunden hatte.
Positiv zu erwähnen wäre dann noch der Hersteller, 4Care AG/Lenscare, der Kombilösung, die leider in beiden Tests total durchgefallen war und von der ich noch diverse Flaschen übrig hatte. Auf Nachfrage (weil es in einer Pressemitteilung erwähnt wurde) wurde mir angeboten, die nicht beim Hersteller selbst erworbene Altware unfrei einzuschicken, um dann Ersatz zu erhalten. Na ja, zum Abspülen der Kontaktlinsen ist die in der Rezeptur geänderte neuere Kombilösung dann bestimmt gut genug.
Und nun zum Ökotestheft. Das trägt den Namen Öko im Namen auch mehr aus Marketinggründen. Im Heft findet sich relativ wenig, was dieses Präfix rechtfertigen würde. Einen Hinweis, daß das Heft auf Recyclingpapier gedruckt wurde, finde ich leider nicht im Impressum. Dazu gibt’s massig Werbung, z.T. auch zu den getesteten Produkten, u.a. Werbung für Autos, Autoreifen und eine sogenannte Kaufberatung für Klimageräte (schon ok, ökologisch korrekter Atomstrom kostet quasi nix und Strom kommt eh aus der Steckdose).
Und dazu noch ein merkwürdiger Artikel über steigende Lebensmittelpreise, in dem im Anreißer gefragt wird “Ist daran der Bio-Sprit Schuld, sind es die unersättlichen Schwellenländer..?” Die unersättlichen Schwellenländer! Genau, die sind schuld! Das ist dann Merkelniveau, also unterste Schublade sozusagen. Es wird hierzulande alles teurer, weil die in Indien, China und sonstwo auf einmal mehr als eine Mahlzeit zu sich nehmen wollen. Was fällt denen ein? Es kann doch nicht sein, daß die auf einmal auch so viel Nahrung und Energie verschwenden wollen, wie die Bewohner der reichen Industriestaaten.
In dem erwähnten Artikel taucht auch noch ein schönes Beispiel für galoppierende Inflation auf:
Mehr als ein Viertel lebt von weniger als einem Dollar am Tag, das sind 64 Cent.
Ein Zusatz wie US und Euro wäre hier sicherlich hilfreich, um Mißverständnissen vorzubeugen.
Wie sehr die EU-Kommission von Lobbygruppen - in diesem Fall von der Contentindustrie wie z.B. Universal - unterwandert und beeinflußt ist, sieht man sehr schön an der geplanten Verlängerung der Schutzrechte für Musikwerke auf 95 Jahre. Da wird doch glatt folgendes behauptet:
Man beachte die Verwendung des Adjektivs plötzlich. Wie plötzlich mag ein plötzlicher Einkommensausfall sein, wenn man zuvor 50 Jahre Entgelte erhalten hat und innert dieser 50 Jahre sicherlich das eine oder andere über die aktuelle Rechtslage mitbekommen hat? Und ja, es ist unbedingt nötig, 95 Jahre als Schutzdauer einzuführen. Menschen in der EU, die heute 20 sind, werden mit tödlicher Sicherheit 115 Jahre alt werden. Ganz, ganz bestimmt. Und wer jetzt noch 68 Jahre alt ist wie z.B. Cliff Richard, der wird - wenn sich die Rechtslage nicht schleunigst ändert - ganz, ganz sicher in knapp über einem Jahr am Hungertuch nagen (plötzlicher Einkommensausfall - Musiker sind generell auch zu dumm, Geld anzulegen oder etwas zu sparen). Ach ja, und 113 Jahre alt wird Herr Richards sowieso, damit er von der um 45 Jahre verlängerten Schutzfrist auch etwas hat.
Phishing leichtgemacht: sofortueberweisung.de
9 Kommentare
ben am 16/7/08 um 23:40
herr zaf! sie versuchen mich hier in einem licht darzustellen, in dem ich nicht gesehen werden möchte! ich blondiere mir mitnichten die haare!
und wenn sie mir weiterhin mails mit solchen betreffzeilen schicken muss ich langsam mal ein backup brennen und mich nach einem zweitrechner umgucken, sonst kommen die herren in mein unaufgeräumtes arbeitszimmer und nehmen das internet mit…fellow passenger am 16/7/08 um 23:42
Gibt es Hochprozentiges dann nur noch über V-Leute vom BKA im Sauerland, Herr ZAF?
Zenzizenzizenzic Armee Fraktion am 16/7/08 um 23:54
Ach, bei Ihnen ist das Internet, Herr Ben. Bei mir hatte es sich nämlich heute morgen verabschiedet, nachdem es gestern schon langsam vor sich hinröchelte, und war nicht aufzutreiben.
Wo Sie in Zukunft Grundstoffe fürs Bombenbasteln beziehen können, Herr Fellow Passenger, weiß ich auch nicht. Aber die üblichen Repressionsbehörden und Geheimdienste wie BKA, BND, MAD ETC. können Ihnen da sicher Bezugsquellen nennen.
Mephane am 17/7/08 um 10:22
“Ausübenden Künstlern käme die verlängerte Schutzdauer insofern zugute, als sie länger als bisher Einnahmen aus ihren Werken beziehen könnten. Eine 95-jährige Schutzdauer würde verhindern, dass ausübende Künstler, die im Alter von 20 Jahren Platten aufgenommen haben, bei Erreichen ihres 70. Lebensjahres einem plötzlichen Einkommensausfall gegenüberstehen.”
Ja die armen Künstler. Können sich nicht ihr Leben lang auf ihrer Arbeit von vor mehr als 50 Jahren ausruhen. Selten so gelacht.
ben am 17/7/08 um 23:47
es geht nur um den künstler! man muss dieses arme und schwache geschöpf vor der bosheit und der raffgier der menschen schützen! wer wäre besser geeignet als der freundliche schutzgelder… beschützer? wer denkt da denn an profit! es geht um die kunst! man muss sie doch fördern und unterstützen! wir sind schließlich eine kulturnation…
@herr zaf: sie wissen doch, wie das mit den schlapphüten ist, ich habe das internet wo elementarteile drin ist, sie haben das mit der zaf… deswegen muss das internet ja auch überwacht werden, damit keiner was böses damit macht! wo kämen wir denn hin, wenn jeder das internet macht, was ihm gefällt!
Zenzizenzizenzic Armee Fraktion am 18/7/08 um 01:52
Wo wir da hinkämen, wenn jeder das Internet macht, das ihm gefällt, Herr Ben? Nach Guantánamo, direkt, ohne Umwege und ohne über Los zu gehen.
Wäre Ihnen ein Zeitraum bis ans Ende des Universums genehmer, Herr Chef? Der Papst spielt da für genügend Geld sicher gerne mit, was den Zeitpunkt des Jüngsten Gerichts und so angeht.
Herr Tony, der Besitzstandswahrer am 20/7/08 um 02:04
Herr Ben, machen Sie es doch wie Gerd, klagen sie an der Hamburger Dunkelkammer wegen diesen üblen Nachreden bzgl. ihrer Haarfarbe.






superguppi am 16/7/08 um 23:40
49%iges Wasserstoffperoxid halte ich für ein Fake. Merck verkauft technisches (nicht besonders reines) H2O2 mit max. 35%.
Aber auf der Seite sind derzeit sowieso keine Bestellungen möglich.