Thilo Sarrazin - Deutschlands Unsozialer 2008

Vor Jahren hatte die ZAF (Zenzizenzizenzic Armee Fraktion) die Aktion DSDU (Deutschland sucht den Unsozialen) ausgerufen und konnte sich über rege, hier leider nicht immer dokumentierte Beteiligung der politischen Kaste erfreuen. Einen Sieger hatten wir 2006 und 2007 leider vergessen zu küren. Deshalb wird es Zeit, dies endlich einmal nachzuholen und deshalb gibt’s nun die Siegerkür inklusive Propagandaplakat für die SPD, die mitgliederschwindsüchtige Partei der Siegertypen. Sieger ist natürlich Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin, der uns so tolle Vorlagen bescherte wie das Hartz-IV-Menü, die 5-Euro-Jobs und nun ganz neu die dicken Pullover, damit man auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig vor sich dahinvegetieren kann.

Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können. Bei uns waren es zuhause immer 16 Grad. Am Morgen hat mein Vater die Koksheizung befeuert und sie erst am Abend, wenn er von der Arbeit zurückkam, wieder angemacht. Das hielt dann immer gerade für 16 Grad. Ich habe es überlebt.

Das ist toll! Das ist Spitze! Weil Klein-Thilo harte Winter überlebt hat, werden es andere wohl auch schaffen. Völlig egal, daß z.B. Vermieter dafür zu sorgen haben, daß im Winter eine Mindesttemperatur von 20 bis 22 Grad Celsius in der Wohnung erreicht werden muß, oder daß man bei 15, 16 Grad nicht wirklich produktiv sein kann, um z.B. Bewerbungen zu schreiben. Und noch viel besser ist, wenn man dieses Prinzip, was andere mal ausgehalten haben oder vielleicht irgendwo auf der Welt noch aushalten (wir erinnern uns, im Vergleich zu China oder Indien geht’s selbst Deutschlands Armen richtig gold), zur Maxime aller Politik macht, dann lassen sich enorme Kosten im Sozialetat einsparen. Geld, das beispielsweise dringend für Kriegsspiele in Afghanistan oder obligatorische Diätenerhöhungen benötigt wird. Es gibt so viele schöne Brücken in Deutschland, unter denen schon jetzt viele Menschen schlafen, die haben’s bisher doch auch überlebt. Sollen sie doch Kuchen essen!

[Nachtrag 18:45
Noch ein kleiner Hinweis an die Leser dieser Webseite. Im allgemeinen habe ich nichts dagegen, wenn die Bilder hier für die eigene, werbefreie Webseite übernommen werden, solange ein Link zum jeweiligen Beitrag hier erfolgt und solange kein Hotlinking erfolgt (wobei eine kurze Nachfrage per E-Mail natürlich von Stil und gutem Benehmen zeugt).
Was aber so gar nicht hinnehmbar ist, wenn die Bilder auf Kommerzkackseiten wie sevenload.de landen, nicht umsonst hatte ich mich letztes Jahr ausführlich gegen werbeverseuchten Kommerzmist ausgesprochen. Denen habe ich jetzt mal eine E-Mail geschrieben, das asoziale_spd_xtes_beispiel.jpg umgehend zu löschen.]

5 Kommentare

  1. mephane  am 29/7/08 um 15:36

    Unsere Politiker sind gerade dabei sämtliche technischen, wirtschaftlichen und sozialen und demokratischen Fortschritte beliebig zu relativieren, und jedes mal zuungunsten der betroffenen Menschen.

    Sei es Sarrazins neueste Ergüsse, sei es Schäubles Relativierung von Armut und sogar Konzentrationslagern (Guantanamo!), jede Errungenschaft ist wird den Menschen und der Gesellschaft nach Belieben in Abrede gestellt.

    Bei der Demokratie selbst tut man es nur noch nicht laut…

    Das 21. Jahrhundert droht so langsam, sich als Gipfel aller negativen Errungenschaften der Menschheit zu entwickeln:

    Es gibt weiterhin Armut, jetzt sogar verstärkt in den “Industrieländern”, es gibt weiterhin Krieg um Macht und Ressourcen, es gibt weiterhin Fremdenhass und Rassenwahn, es gibt wieder Konzentrationslager, Stasi- und Gestapo-Nachfolger, Folter wird wieder vermehrt angewandt, auch dort wo sie als abgeschafft galt, und und und… Und das alles, dank neoliberaler Globalisierung, weltweit.

  2. softlabhennef  am 29/7/08 um 18:16

    Für den eifrigsten Wahlhelfer der LINKEN im Kampfpullover zu frieren, ist doch wohl hoffentlich kein Thema. Wozu braucht die SPD eigentlich 20 Prozent, 15 oder 16 tun es doch auch :-)

  3. Fidel Kasko  am 30/7/08 um 05:29

    Ja nun, nach mindestens achtzig jahren Mummenschanz als “soziale” Partei des kleinen Mannes und seiner Frau und Kinder haben die Charakter-Korrupniks das nicht mehr nötig, seit sie sich, vom neofeudalistischen Zeitgeist kräftig angeblasen, endgültig entschlossen, sich unverhohlen als CDU/CSU/FDP-Zweitgarnitur zu outen und anzubieten.

    Bisken Koketterie mit Schwulsein vom Bürgermeister, bisken mal ernsthaft auf den Küchentisch hauender Opa (Schmidt Schnauze): Schluß mit dem Gejammer, Kinners, also zu meiner Zeit hatte ein Arbeiter nicht mehr als heute ein Hartz-Iv Empfänger…! - schien ja erstmal auszureichen für den Rest der allerdümmsten Kälber (Und mein Opa hatte als Dorf-Kind in Westpreußen nur im Winter Schuhe, - wär´ doch auch nochmal ein brauchbarer Vergleich bei Gelegenheit, oder?)

    Ansonsten ist wohl die neue Zielgruppe der besserverdienenden Ex-68er mit gutgehender Anwaltskanzlei und zur Altkleidersammlung abgegebenem sozialen Mäntelchen der Vater des Gedankens gewesen. Aber wie´s aussieht nehmen auch die inzwischen lieber die Originale, es braucht schließlich keiner mehr irgendwas zu bemänteln.

    Wozu auch? Klappt doch alles bestens, ein Volk, eine Elite, eine Presse. Die grüne Schickeria sitzt auch zufrieden im umgebauten Bauernhaus, echtes Strohdach für eine Million Penunzen und empfiehlt ansonsten den Heldentod am Hindukusch. Die oberen Zweidrittel lieben statistisch die böse Tante, und die im Dunkeln sieht man nicht.

    Alsdann: “Gehn´se mit der Konjunktur, drehn´se mit an dieser Uhr,- Geld das ist auf dieser Welt der einz´ge Kitt der hält, wenn man davon genügend hat…!

    Ergo wird die Etikettenschwindel-Truppe über kurz oder lang im Ausgußstrudel der deutschen Politikgeschichte vergluckern; das ändern auch ein Beck´sches Biedergesicht und ein paar hilflose Neuerdingswieder-Sprechblasen aus der Mummenschanz-Mottenkiste nicht mehr.

    Na wenn schon: “Und braucht man keine Klempner mehr, - na dann werd` ich halt Installateur…!”

  4. Anonymous  am 30/7/08 um 15:35

    Na toll Herr Sarrazin, da kommen wir doch alle zu ihnen in ihre Luxusbehausung und wärmen uns bei ihnen auf, weil uns das Geld für die vielen Pullis und dicke Socken fehlt…….

  5. 35%wenigerHeizkostenUndGesündereLuft  am 31/7/08 um 05:00

    16 Grad mit Pulli sind im Wohnzimmer echt okay, auch aus Umweltgründen. Einfach mal ausprobieren, nach ein paar Tagen/Wochen gewöhnt man sich dran. Mit den eingesparten Beträgen kann man dann ggf. politische Projekte unterstützen.

Kommentieren

Kommentare mit mehr als 10 Links werden moderiert. Zum Speichern des Kommentars geben Sie bitte in das dafür vorgesehene Feld ZAF ein.