Super-Uschi im Kampf gegen das böse Internet

Jetzt, da der Terrorismus als Allzweckwaffe zur Einschränkung von Grundrechten, wohl nicht mehr so recht zieht und z.B. Probleme mit dem neuen BKA-Gesetz bzw. den heimlichen Online-Durchsuchungen auftauchen, gräbt man wieder die letzte, noch wirksame Allzweckwaffe aus: Kinderpornographie.

Deutschlands Übermutter und Familienministerin Ursula von der Leyen macht den Vorstoß und möchte u.a. aktiv das Web filtern. Da darf der Staat dann auch schon mal gern die finanziellen Mittel bereitstellen, um wirksame Webfilter zu entwickeln.

Wir schließen die Datenautobahn der Kinderpornografie. Das BKA erstellt Listen der kinderpornografischen Websites. Jetzt sollen die Zugangsanbieter gesetzlich verpflichtet werden, die Listen zu beachten und solche Websites unverzüglich zu schließen. Der Kunde klickt an und läuft ins Leere – kein Anschluss unter dieser Nummer. Das ist technisch möglich, und es ist rechtlich möglich. Es gibt Länder, die das seit Jahren erfolgreich machen: die skandinavischen Länder, Großbritannien, die Schweiz, Italien…
[...]
Wir sind bereit, auf Staatskosten das Computerprogramm zur Sperrung solcher Websites zu entwickeln.

Es ist geradezu Aufgabe eines jeden anständigen Bürgers, da aktiv mitzumachen, denn “jeder, der mitmacht, rettet Kinderleben”, so Frau von der Leyen. Daß man derlei Filter schnell erweitern kann, um z.B. den Zugang zu der Regierung oder den Repressionsbehörden unliebsamen Informationen zu erschweren, daß erwähnt sie natürlich nicht. Great Firewall of Germany klingt auch nicht so angenehm, da fühlt man sich gleich an die VR China erinnert.

Natürlich geht es Frau von der Leyen nur um die Kinder. Da spart sie im Interview mit dem Hamburger Abendblatt auch nicht mit drastischen Worten: “Verwahrlosung und Misshandlung von Kindern”, “Da werden durch brutale Vergewaltigungen Kinderseelen und Kinderkörper zerfetzt” oder “Da klingelt richtig die Kasse, und das stürzt täglich Kinder in dieses entsetzliche Verderben.”

Es ist auch völlig egal, ob die Äußerungen sinnvoll sind, denn es geht doch um die armen Kinder.

Pornografische Videos, auf denen Kinder gequält und gefoltert werden, werden allein in Deutschland bis zu 50000-mal im Monat heruntergeladen. Die Bandbreite reicht vom Pädokriminellen bis zum User, der wahllos sucht und ignoriert, dass er sich gerade die Einstiegsdroge besorgt.

Wer wahllos sucht und dabei zufällig kinderpornographisches (oder vielleicht auch nur Material mit Jugendlichen oder Scheinjugendlichen - so etwas geht ja dank neuer weitgefasster Gesetze heutzutage recht schnell) Material im Browser angezeigt bekommt, ist also gleich angefixt. Der Abstieg ist quasi wie bei Drogensüchtigen, die mit den bekannten Einstiegsdrogen anfangen, vorgezeichnet. Die Spirale nach immer mehr, immer härter dreht sich unaufhörlich und wer heute ein FKK-Bild eines Kindes anschaut, besorgt sich schon morgen harte Foltervideos mit Kindern. Das mit dem Anfixen und Anwerben kennt man ja bekanntlich aus einem anderen sexuellen Zusammenhang, von Homosexuellen. Wer regelmäßig Sendungen im Fernsehen mit Schwulen und Lesben schaut, der wird zwangsläufig selbst so. Das ist natürlich Quatsch, entspricht aber so in etwa der Vorstellungswelt der vermehrungswütigen heterosexuellen Ursula von der Leyen.

Schließlich hat sie eine Mission zu erfüllen und zwar dafür zu sorgen, daß wirksame Internetfilter bei den Providern errichtet werden. Daß derlei nur technische Unbedarfte daran hindert, gesperrte Angebote aufzurufen, ist ihr anscheinend genau so unbekannt wie die Tatsache, daß es immer sinnvoller ist, an der Quelle anzusetzen, und z.B. bei kinderpornographischen Seiten dafür zu sorgen, daß die entsprechenden Server abgeschaltet werden und die Domaininhaber zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Einstiegsdroge ist Kinderpornographie einzig für Politiker, die der freiheitlich-demokratischen Grundordnung den Kampf angesagt haben und Sperrverfügungen und Sperrfilter für Kinderpornos als ersten Schritt für ein ihnen genehmes Internet durchsetzen wollen. Um die Ursachen der Kinderpornographie zu beseitigen bzw. um das Angebot wirklich abzuschaffen, ist dies jedenfalls der falsche Weg.

9 Kommentare

  1. turtle  am 21/11/08 um 05:30

    Na Prima.
    Da wird doch wie immer an den Symptomen herumgedoktort, um ja nicht auf die Idee zu kommen die wahren Verbrecher zu finden.

    Natürlich muss solcher Handel unbedingt unterbunden werden, aber so ist und bleibt es ein sicheres Fass ohne Boden.
    Hier will man nur die Grund- und Bürgerrechte einschränken und später ganz auslöschen.

    50000 Tausend Mal werden solche Inhalte alleine in Deutschland heruntergeladen?? Natürlich muss die Dunkelziffer wesentlich höher sein.
    Und???
    Wo wurde mal EIN EINZIGES dieser Kinder vor diesen Bestien gerettet??
    Wo wurde denn eine einzige Kinderseele von solchen Qualen erlöst?
    Wurde einer der Kinderschänder, ein Entführer, ein Urheber eines solchen Schreckens inflagranti aufgespürt, verhaftet und verurteilt??
    Die großen Drahtzieher kommen ungeschoren davon und werden sich sicherlich nicht von ein paar Webseitensperrungen beeindrucken lassen.

    “Jeder anständige Bürger soll mitmachen”
    Ja wie denn?? Indem wir unsere Persönlichkeitsrechte aufgeben?
    An die perversen Bildersauger kommen sie ja jetzt schon.
    Die sollen eher das vorhandene Material dazu verwenden diese Ausgeburten der Hölle dem Garaus zu machen.

    Hier Dokus auf youtube:
    “Ritueller Missbrauch in Frankreich”
    Teil 1- http://www.youtube.com/watch?v=3PiTH9BltZo
    Teil 2- http://www.youtube.com/watch?v=ApP2QMT7YQ4
    Teil 3 - http://www.youtube.com/watch?v=xxn7zIsPAfo
    Und es kommt noch schlimmer:
    “Ritueller Missbrauch in Deutschland”
    Teil 1 von 5-http://www.youtube.com/watch?v=yrqFQJDtTTI&feature=related
    Teil 2 von 5- http://www.youtube.com/watch?v.....re=related
    (die anderen Teile sind per Titelsuche leicht zu finden)

    P.S.: Danke steingrau für diesen Artikel.

  2. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 21/11/08 um 09:01

    Steingrau ist nur die Kategorie, Autoren werden hier nicht genannt. Es gibt eh nur einen, den Großen Vorsitzenden der ZAF.

  3. Mephane  am 21/11/08 um 09:50

    Das war abzusehen. Irgendwie muss man ja all die bösen Raubmordkopierkinderpornoterroristen dingfest machen, und wer dafür nicht seine Grundrechte an der Garderobe abgibt, der macht sich mitschuldig wenn Kinder zu tausenden gequält und heruntergeladen werden! Und dann die Abermillionen von 20-30-jährigen SchauspielerInnen, die Tag für Tag zum Vortäuschen von Kinderpornographie ausgebeutet werden. Gott sei dank gibt es ja jetzt das neue Gesetz, dass alles Kind ist, was für über 60-jährige Empörungsfanatiker so aussieht, als könnte es noch nicht wahlberechtigt sein. Wer braucht schon international anerkannte Regelungen was Alter und Einstufung in “Kind”, “Jugendlicher” und “Erwachsener” angeht?

    P.S.: Hiermit möchte ich auch all armen Kinderseelen gedenken, die niemals das Licht der Welt erblicken durften (da fiktiv) und dennoch in Form von Mangas aufs unerträglichste zu Kinderpornos (natürlich vor allem nach der neuen Definition, die sämtliche derartige Zeichnungen einschließt, weil aus völlig unverständlichen Gründen einfach keiner der Zeichner auf 80-Jährige pensionierter LehrerInnen steht) verhackstückelt wurden!

    “Ich übergebe dem Feuer, die Webseite …”

  4. Anonymous  am 21/11/08 um 16:28

    Aha. Damit »kriegen _wie_ alles durch«.

  5. Zenzizenzizenzic Armee Fraktion  am 21/11/08 um 16:37

    Oops…warum habe ich mir den Text auf den Bildern eigentlich fünfmal durchgelesen? Danke für den Hinweis!

  6. hangy  am 22/11/08 um 12:33

    Mir ist auch irgendwie direkt der Begriff „Great Firewall of Germany“ eingefallen, aber dieser Artikel ist definitiv besser als mein Blog-Eintrag. :)

  7. henteaser  am 23/11/08 um 20:05

    “bis zu 50000-mal im Monat heruntergeladen.”

    Im Monat?! OMFG! Wenn man bedenkt, dass manche dieser Dateien sicherlich schon seit Jahren ihre Runde machen, hat sie inzwischen (Hochrechnung plus Dunkelziffer plus Mundpropaganda) jedeR Deutsche gesehen.

    “Wir sind bereit, auf Staatskosten das Computerprogramm zur Sperrung solcher Websites zu entwickeln.”

    Da eine simple Blacklist-PDF auf Familienministerium.de oder so nicht ausreicht bzw. missbraucht(!) werden könnte, muss die vom Staatsrooter geblockte Adressliste geheim bleiben.

  8. Ich  am 26/11/08 um 23:29

    Vielleicht drückt sich die Uschi da etwas ungenau aus? Mit der “Great Firewall of Germany” könnte man ja auch endlich das jugendgefährdende Internet reinigen, indem Porno-Sites und Tierfick-Videos fürs Teenager-Handy geblockt werden. Vielleicht meint die das, wenn sie von “Kinderpornografie” spricht?!
    Demnächst also Fingerabdruckscanner am PC zur Altersfeststellung?

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