Der Frankfurter Zukunftsrat, eine neoliberale Pressuregroup Ewiggestriger
Zukunft als Präfix für Wortkombinationen ist spätestens seit dem glorreichen Zukunftsministerium früherer Bundesregierungen nichts als eine weitere Bullshit-Worthülse (wer alt genug ist, erinnert sich, daß seinerzeit Jürgen Rüttgers Zukunftsminister war). Dennoch verkaufen sich Worte mit Zukunft in den Massenmedien wohl immer noch gut, wenn man schon nichts aus der Vergangenheit gelernt hat und wenn man ganz im Sinne des Shareholdervalues gerade einmal bis zum Quartalsende denken kann, weshalb sich ein Altherren- und -damenclub im Winter 2008 wohl auch Frankfurter Zukunftsrat nannte.
Nun würde man ob des Namens vielleicht vermuten, junge, unverbrauchte und unbekannte Gesichter dort vorzufinden, denn die Zukunft ist immer eine Domäne der nächsten Generation. Beim Frankfurter Zukunftsrat ist das völlig anders. Dort finden abgehalfterte Politiker und wirtschaftliche Versager zusammen, um vor allem die neoliberale Agenda voranzutreiben. Da sich die Mitglieder des Zukunftsrats selbst der Elite zurechnen, fordern sie auch gleich noch politische Sonderrechte für Eliten.
Aktuell fanden gestern die ersten Frankfurter Zukunftsgespräche statt, davon ist auf der Webseite leider nichts zu finden, die Startseite vermerkt als neuesten Beitrag etwas vom 18. Juni 2009. Wie es sich für ein der feudalen Vergangenheit zugewandtes Gremium gehört, hat man im Vorfeld vier schon sehr, sehr lange verstorbene Personen zu Zukunftsbotschaftern ernannt (Abraham Lincoln, Charles Darwin, Johannes Calvin und Alexander von Humboldt). Da ist es sozusagen nur logisch, daß der scheintote und altersstarrsinnige Otto Schily gestern anläßlich der Zukunftsgespräche eine Laudatio auf die Freiheit hielt. Ja, ausgerechnet der ehemalige Innenminister, der durch Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten in der rot-grünen Koalition glänzte. Eine gewisse Ironie kann man den alten Herrschaften des Zukunftsrats ja nicht absprechen.
Schauen wir uns aber mal an, wer da so alles im Zukunftsrat sitzt.
Als Gründer und Vorsitzender findet sich dort Prof. Dr. Manfred Pohl, der hier schon einmal wegen seines neoliberalen Pamphlets Mein Kampf, äh, Das Ende des weißen Mannes erwähnt wurde.
Einer der stellvertretenden Vorsitzenden ist Wolfgang Clement, unter dessen Ägide es im Bundeswirtschaftsministerium wieder en vogue war, Nazidiktion wie Parasiten zu verwenden.
Als Ratsmitglieder finden sich u.a. Roland Berger (auch bei der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und im Konvent für Deutschland vertreten - dort war mindestens bis zum Februar 2008 übrigens auch Manfred Pohl Mitglied)
Weitere Mitglieder des Zukunftsrats sind der CDU-Politiker Friedrich Merz, der ehemalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Seine Ehefrau, Kristina Gräfin Pilati, ist dann auch gleich stellvertretende Vorsitzende des Frankfurter Zukunftsrat e.V., in dem sich als Vorsitzende des Kuratoriums Maria-Elisabeth Schaeffler (Gesellschafterin Schaeffler-Gruppe) findet.
Die Vorsitzende des Vorstands, Sylvia von Metzler, ist übrigens ein weiteres Beispiel für Ämterhäufung. Frau v. Metzler ist auch Vorstand der Metzler-Stiftung des Bankhauses B. Metzler seel. Sohn & Co.
Wie man sich denken kann, kennt sich diese inzestuöse, selbsternannte Elite und sorgt dafür, daß keiner ihresgleichen durch die Maschen der elitären sozialen Hängematte fällt. Das korrespondiert dann vortrefflich mit den selbstgesteckten Zielen wie
Für die prekären Verlierer gilt dies natürlich nicht, die sollen froh sein, wenn sie noch das Recht zu arbeiten erhalten. Egal unter welchen deregulierten Bedingungen (”Der Globalisierungsdynamik kann sich niemand entziehen.“) und zu welcher Entlohnung.
Das schönste Statement gibt’s aber zum Schluß:
Unabhängig…klar, das glaube ich sofort, wenn ich mir anschaue, wo die Mitglieder wie z.B. Clement noch so alles aktiv sind. Und wie sehr sinn- und friedensstiftende Maßnahmen wirklich gewollt sind, haben Politiker wie Merz, Scharping oder Clement bekanntlich schon mit ihren politischen Entscheidungen gezeigt.
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Ach ja, bevor ich’s vergesse, aufmerksam auf den Zukunftsrat wurde ich heute durch eine Meldung bei Heise:
Gewaltvermittlung bei der staatlichen Mördertruppe ist da aber sicherlich ausgenommen, selbst wenn sie im Internet sattfindet. Und Fernsehen sowie gleichgeschaltete Massenmedien, die von der tapferen Verteidigung Deutschlands an den deutschen Aussenstellen wie in Afghanistan berichten, sicherlich ebenso.
Welche Ziele im Bildungs- und Erziehungsbereich zu verfolgen sind, kann man sich anhand des Wikipediabeitrags für den stellvertretenden Vorsitzenden des Zukunftsrats, Bernhard Bueb, bestens vorstellen.
Daß “das Wissen um wirtschaftliche Zusammenhänge blamabel ist”, ist allerdings eine Binsenweisheit, schaut man sich die derzeitge desolate wirtschaftliche Lage an. Ich glaube aber kaum, daß die sogenannte Wirtschafts- und Politelite mit Zwangsschulungen zum Thema Wirtschaft einverstanden sein wird. Es handelt sich schließlich um eine Elite, die macht per definitionem keine Fehler und weiß immer alles.






snowjade am 10/7/09 um 18:56
Ists nicht so, daß alles wiederkehrt? Aber nicht in der Form von damals, sondern an die neue Zeit angepaßt…
Wirklich grausam, was diese Herren da von sich geben.