Parasiten
Der Begriff Parasit wird in der neoliberalen Diktion ganz im faschistischen Geiste gern für Menschen verwendet. Bisher beschränkte man sich dabei auf arbeitslose Menschen, also nach Meinung einiger Politiker auf “Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben“.
Nun erreicht der Parasitiferismus allerdings eine neue Qualität, denn auch Menschen, die Arbeit haben, werden nun nicht mehr nur euphemistisch als Low Performer oder Minderleister bezeichnet, sondern direkt als Parasiten.
Faule Kollegen = Parasiten im Büro, konstatiert ein wahrscheinlich direkt von der INSM diktierter Artikel der Süddeutschen Zeitung.
“Normalleister” scheint es sowieso nicht mehr zu geben, entweder man ist ein Outperformer, Spitzenleister oder Leistungsträger oder eben ein minderleistender Parasit.
Dienst nach Vorschrift, also eigentlich die Erbringung der vertraglich vereinbarten Arbeitsleistung, reicht eben nicht mehr. Es muß bis zum Umfallen gearbeitet werden, weiter, schneller, höher, mehr leisten.
4 Kommentare
Tim Kummer am 26/8/09 um 16:49
[Edit: Komentar gelöscht! Bitte keine Werbung für was auch immer!]
01001 am 15/9/09 um 11:32
Genau diesen Part wollte ich auch gerade zitieren.
Controlling-Poesie vom Feinsten!MrBrook am 29/9/09 um 18:57
“Dienst nach Vorschrift” ist eben nicht die vertraglich vereinbarte Arbeitsleistung, sondern ein weniger. Der Witz an der ganzen Sache ist, dass der Arbeitnehmer mit “Dienst nach Vorschrift” seine vertraglichen Pflichten grade nicht erfüllt, diese Arbeitshaltung aber - im Gegensatz zu Arbeitsverweigerung, bei der die geschuldete Leistung ganz offensichtlich nicht erbracht wird - extrem schwer vom Arbeitgeber nachzuweisen ist.






WunderbarerMitlaeufer am 17/8/09 um 18:37
Freut mich, dass doch noch Nachrichten kommen.
Besonders toll finde ich übrigens auch diesen Satz:
“Der Arbeitnehmer schulde in einem Betrieb nicht den Durchschnitt, sondern die Ausschöpfung seines individuellen Leistungsvermögens.”
Das hält auch gut als Begründung für Lohnunterschiede her, “der kann halt mehr leisten”.