Foodwatch und der Durchschnittsverbraucher

Den fragwürdigen Verein Foodwatch e.V. hatte ich im Blog schon desöfteren erwähnt und kam dabei nie zu einem positiven Ergebnis, was dessen Arbeit angeht.
Die Hauptaufgabe von Foodwatch scheint darin zu bestehen, bildungsfernen Schichten das Erkennen von Terror-Nahrungsmitteln zu ermöglichen. Für Foodwatch ist der Durchschnittsverbraucher ein bedauernswertes Wesen am unteren Rande des Intelligenzspektrums, das kaum in der Lage ist, Zutatenlisten zu lesen und das, wie ein Kleinkind, nur allzu leicht auf bunte Bildchen einer heilen Produktwelt hereinfällt. Damit ist Foodwatch eigentlich noch schlimmer als die von diesem Verein kritisierte Lebensmittelindustrie.

An der Lebensmittelindustrie kann man sicherlich einiges kritisieren, aber kaum, daß die Unternehmen die bestehenden gesetztlichen Regeln ausschöpfen, immerhin sind die meisten der Foodwatch-Enthüllungen allein einem Lesen der Zutatenliste geschuldet (abgesehen davon gibt es wohl wirklich einen Bedarf an Fertigprodukten, sonst würde die keiner kaufen; daß man die gesparte Zeit für die Zubereitung u.U. aber wieder beim Lesen der Zutatenliste verliert, ist eigentlich auch jedem klar, sofern er sich überhaupt dafür interessiert, was er zu sich nimmt).
Da fragt man sich, wo soll da eigentlich der Skandal liegen? Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann ist es der Gesetzgeber, aber kaum die Unternehmen, welche die Gesetze befolgen. Daß diese mitunter selbst für derlei gesetzliche Regelungen verantwortlich sind, steht auf einem anderen Blatt. Und daß Unternehmen im Kapitalismus auf Profitmaximierung ausgelegt sind, was bedeutet, möglichst billig einzukaufen und möglichst teuer zu verkaufen, ist im aktuellen System nun einmal systemimmanent.

Kommen wir nun aber zu den Beispielen, die zeigen, wie wenig Foodwatch von der eigenen Zielgruppe hält. Da die auf der Webseite angebotene Photostrecke nur mit JavaScript aufrufbar ist (und für mich somit verborgen bleibt), verweise ich auf das ebenfalls angebotene PDF.

Der grenzdebile Foodwatch-Fan kann kaum lesen, weshalb er eben fragwürdige Vereine benötigt, die ihm mal die Zutatenliste bzw. die Nährwertangaben erläutern. Da werden beispielsweise Chips mit 30% weniger Fett auf der Packungsvorderseite beworben. Foodwatch leitet daraus die harten Fakten ab: “30% weniger Fett heißt nicht automatisch 30% weniger Kalorien.”
Diese Aussage ist per se zwar nicht falsch, aber das wird auf der Packung gar nicht behauptet. Genausogut könnte man schreiben “30% weniger Fett heißt nicht automatisch 30% mehr Kartoffeln.” Das ist ähnlich sinnfrei.

Als nächstes werden in Zucker getränkte Cornflakes vorgeführt. Die schockierenden Fakten dazu: “”1/3 weniger Zucker” hin oder her. Eine Zuckerbombe sind die Flocken immer noch. 25g Zucker stecken in 100g Frosties.”
Ja, wow! Das mit den 25g Zucker pro 100g haben die aber toll anhand der Herstellerangaben recherchiert. Echter investigativer Foodwatch-Enthüllungsjournalismus! Interessanter wäre es gewesen, ob eine selbst in Auftrag gegebene Untersuchung des Zuckergehalts in einem Labor das gleiche Ergebnis gezeigt hätte oder ob der Hersteller eventuell bei den Nährwertangaben geschummelt hätte. Packungsaufdrucke kann nun wirklich jeder selbst lesen und vergleichen…außer die Foodwatch-Zielgruppe.

Was sich auch beim nächsten Produkt zeigt: gefüllte Fruchtgummis. Auch hier erschöpft sich das Investigative im Lesen der Zutatenliste und ein wenig umrechnen.
Dieses beliebte Vorgehen wird auch noch für einen Schokoladen-Pudding durchgeführt.
Bei einem Joghurt mit Buttermilch werden wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Statt zum Fettanteil wird etwas zum Kohlenhydratanteil gesagt.
“Die Fakten: 1% Fett, aber dafür 15,5% Kohlenhydrate.”
Komisch, dabei steht auf der Packung was von 0,9g Fett/100g, auch wenn das Produkt selbst mit 1% Fett wirbt, würde ich bei Fakten doch eher erwarten, daß hier auch die Fakten laut Nährwertkennzeichnungstabelle angegeben werden.
Aber vielleicht waren diesmal sogar die Foodwatch-Mitarbeiter beim Lesen überfordert. Oder nach dem Verzehr des Joghurts aufgrund eines Zuckerkomas nicht arbeitsfähig.

Personen im Zuckerkoma oder die Foodwatch-Zielgruppe bzw. Durchschnittsverbraucher als bedauernswerte Wesen am unteren Rande des Intelligenzspektrums lassen sich vielleicht leichtfertig dazu überreden, für windige Vereine zu spenden, die für sie das Lesen von Zutatenlisten erledigen. Und Spendeneinsammeln dürfte neben dem Lesen von Zutatenlisten wohl das Hauptziel des Vereins sein.

2 Kommentare

  1. TollerMensch  am 22/12/09 um 14:09

    Sehr geehrter Großer Vorsitzender der ZAF,

    diese Beiträge sind es, diese Beiträge sind es, die die ZAF auszeichnen.
    Insofern ein glückliches “Willkommen zurück” und hinterher sogar noch ein “Weiter so!”.

    Mit freundlichen Grüßen,
    ein toller Mensch

  2. fellow passenger  am 6/1/10 um 01:37

    Meine Privatstudien über den Konsum von Fertigessen haben gezeigt, daß die Käufer erstens überhaupt nicht wissen wollen, was sie nicht wissen sollen und deswegen im Kleingedruckten aufgeführt wird. Zweitens spielt Wohlgeschmack eine der einfachen und schnellen Handhabung untergeordnete Rolle. Die Fertigesser wissen also längst, daß die Waren minderwertig sind.

    Wer andere Prioritäten setzt, ist wohl kaum auf Foodwatch angewiesen um ein halbvolles, mit “Walldorfsalat” beschriftetes Plastikdöschen als Billigmayonaise mit einigen Gemüseschnipseln und Nußkrümeln zu identifizieren. Allein die Frage, warum das Öl nicht obenauf schwimmt, mag einen neugierigen Blick auf die Liste der Zutaten rechtfertigen. Daß 150 Gramm dieser Pampe keine 2 Euro wert sein kann, sieht man ihr aber auch so an.

    Für Menschen die weder mit Geschmacksnerven noch mit der Fähigkeit zur skeptischen Wahrnehmung von Werbung ausgestattet sind, mag Foodwatch aber durchaus hilfreich sein. Aufklärung mag nicht immer nützen. Geschadet hat sie nie.

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