Parasiten

Der Begriff Parasit wird in der neoliberalen Diktion ganz im faschistischen Geiste gern für Menschen verwendet. Bisher beschränkte man sich dabei auf arbeitslose Menschen, also nach Meinung einiger Politiker auf “Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur Befriedigung ihrer Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen – ihren Wirten – leben“.
Nun erreicht der Parasitiferismus allerdings eine neue Qualität, denn auch Menschen, die Arbeit haben, werden nun nicht mehr nur euphemistisch als Low Performer oder Minderleister bezeichnet, sondern direkt als Parasiten.

Faule Kollegen = Parasiten im Büro, konstatiert ein wahrscheinlich direkt von der INSM diktierter Artikel der Süddeutschen Zeitung.

“Normalleister” scheint es sowieso nicht mehr zu geben, entweder man ist ein Outperformer, Spitzenleister oder Leistungsträger oder eben ein minderleistender Parasit.

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist kein Betrieb vor faulen oder arbeitsverweigernden Mitarbeitern gefeit. “Das Phänomen Faulheit zeigt sich dann eher verdeckt - ein Kollege macht etwa Dienst nach Vorschrift, wird aber nicht offen die Arbeit verweigern.”

Dienst nach Vorschrift, also eigentlich die Erbringung der vertraglich vereinbarten Arbeitsleistung, reicht eben nicht mehr. Es muß bis zum Umfallen gearbeitet werden, weiter, schneller, höher, mehr leisten.

In eigener Sache

Um die verbliebenen, geneigten Leser vorzuwarnen: Aus mehr persönlichen Gründen werde ich wohl in ein paar Wochen für einen unbestimmten Zeitraum eher noch weniger hier (oder anderswo) schreiben und wenn, dann wohl eher weniger zu politischen Themen, da ich aus den erwähnten persönlichen Gründen derzeit generell (und nicht nur im Blog) etwas andere Schwerpunkte setze.
Ich hoffe, daß war jetzt kryptisch und enigmatisch genug, um ein wildes Rätselraten über meinen Geisteszustand loszutreten, das die ZAF-freie Zeit prima überbrücken kann, aber bitte nicht in den Kommentaren stattfindet.

Der rechtsfreie Chaosraum

Der rechtsfreie Chaosraum findet natürlich vor allem in den Fraktionen der Mitgliedsparteien der Großen Koalition statt, die sich nie scheuen, verfassungswidrige und bedenkliche Gesetze, die dem Geist der Verfassungs entgegenstehen, auf den Weg zu bringen und dann mittels Fraktionszwang im Bundestag durchzudrücken.
Politiker ebendieser Parteien sehen das natürlich völlig anders. Da ist der rechtsfreie Chaosraum vor allem das Internet. Wie beispielsweise für Ursula von der Leyen, die schon mal unverhohlen eine staatlich verordnete Zensur für diesen Internet-Chaosraum ankündigt:

Doch wir werden weiter Diskussionen führen, wie wir Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenwürde im Internet im richtigen Maß erhalten. Sonst droht das großar tige Internet ein rechtsfreier Chaosraum zu werden, in dem man hemmungslos mobben, beleidigen und betrügen kann. Wo die Würde eines anderen verletzt wird, endet die eigene Freiheit. Welche Schritte für den Schutz dieser Grenzen notwendig sind, ist Teil einer unverzichtbaren Debatte, um die die Gesellschaft nicht herumkommt.

Ihren Gegnern spricht sie gleichzeitig jegliche Kompetenz und Relevanz ab, indem sie die verniedlichend als junge Leute darstellt, die sich gerade die Hörner abstoßen und dabei schon mal übers Ziel hinausschießen, um dann irgendwann im sicheren Hafen der etablierten Parteien als weichgespülte, folgsame Mitläufer zu landen.

Aber ich finde es toll, dass diese jungen Menschen sich politisch engagieren, sich einmischen und mitmachen. Das ist der Anfang dafür, dass man auf eine jugendlich-forsche Art über den richtigen Weg ringt.

Da findet man dann auch Spitznamen wie Zensursula putzig und niedlich:

Wenn sie meinen Spitznamen Zensursula meinen, ist das in Ordnung. Ich finde das pfiffig. Es zeigt Humor und Kreativität.

Was bei der Webseite der geliebten Bundesregierung noch als Satire gedacht war, scheint Frau von der Leyen wirklich so zu sehen.

Ursula von der Leyen hat innerhalb weniger Wochen geschafft, wovon andere ihr ganzes Leben träumen.
Mit ihrem vorbildlichen und unerbittlichen Kampf gegen Kinderpornografie im Internet wurde sie schnell zum aufsteigenden Star der Internetgemeinde.

Geschickt formuliert ist auch der letzte Teil des Interviews mit dem Abendblatt. Ohne direkt die Unschuldsvermutung zu umgehen, schafft Frau von der Leyen es doch, daß irgendwie ein Schmuddelimage bezüglich Herrn Tauss’ beim Leser hängen bliebt:

Das Verhalten von jemandem, der in einem laufenden Strafverfahren steht, kann ich nicht kommentieren. Aber ich habe erlebt, wie Jörg Tauss als Abgeordneter die SPD am Anfang die Debatte über den Umgang mit der Kinderpornografie dominiert hat. Er wollte jegliche Form von Regulierung im Internet verhindern. Dann wurde das Strafverfahren gegen ihn eröffnet. Inzwischen sind viele in der SPD nachdenklich geworden.

[via heise.de]

Afrika kennt sowieso keiner

Ok, wenn eine Webseite Gulli heißt, kann man nicht allzuviel erwarten. Aber mit zwei, drei Klicks hätte sich der Autor des Artikels Nigeria - Musikindustrie droht mit Hungerstreik nun wirklich einmal kurz informieren können.

Afrika ist alles, aber sicherlich keine Industrienation. Ein kleines Land auf diesem riesigen Kontinent stellt Nigeria dar. Auch hier ist man weit davon entfernt, eine Wirtschaftsmacht darzustellen.

Da frönt jemand ganz offensichtlich seinen Vorurteilen von Afrika. Man kennt das ja, die schnackseln da alle gern, bekommen nichts auf die Reihe so zwischen Buschtrommeln, Voodoo und bush meat essen und sowieso sind die da alle unbedeutender als noch die kleinste europäische Stadt.

An dem zitierten Absatz ist so ziemlich alles falsch. Afrika ist ein ganzer Kontinent, bestehend aus vielen Nationen. Nigeria ist kein kleines Land, sondern fast 2,6 mal so groß wie die Bundesrepublik*. Und mit 149.229.090 Einwohnern ist es unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt an 9. Stelle vor Russland.
Mit einem Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2008 von 338.100.000.000 US-$ ist Nigeria eine größere Wirtschaftsmacht als beispielsweise Österreich, die Schweiz oder Norwegen. All diese Angaben findet man im World Factbook der CIA.

* Laut Wikipedia belegt Nigeria in der Liste der größten Länder der Erde Platz 32, bei der CIA werden noch die Ozeane als Gebiete miteinbezogen, so daß sich dort Platz 39 ergibt.

Mondlandung

Gil Scott-Heron: Whitey on the Moon (1972)

A rat done bit my sister Nell.
(with Whitey on the moon)
Her face and arms began to swell.
(and Whitey’s on the moon)
I can’t pay no doctor bill.
(but Whitey’s on the moon)
Ten years from now I’ll be payin’ still.
(while Whitey’s on the moon)
The man jus’ upped my rent las’ night.
(’cause Whitey’s on the moon)
No hot water, no toilets, no lights.
(but Whitey’s on the moon)
I wonder why he’s uppi’ me?
(’cause Whitey’s on the moon?)
I wuz already payin’ ‘im fifty a week.
(with Whitey on the moon)
Taxes takin’ my whole damn check,
Junkies makin’ me a nervous wreck,
The price of food is goin’ up,
An’ as if all that shit wuzn’t enough:
A rat done bit my sister Nell.
(with Whitey on the moon)
Her face an’ arm began to swell.
(but Whitey’s on the moon)
Was all that money I made las’ year
(for Whitey on the moon?)
How come there ain’t no money here?
(Hmm! Whitey’s on the moon)
Y’know I jus’ ’bout had my fill
(of Whitey on the moon)
I think I’ll sen’ these doctor bills,
Airmail special
(to Whitey on the moon)

http://www.youtube.com/watch?v=e5smPcN8AoE

Die Union bietet Watte, die SPD Verrat, Lügen und heißen Dampf

So was kann man sich gar nicht ausdenken, was Müntefering so von sich gibt. Ist es Altersschwachsinn? Sind es Drogen? Ist es völliger Realitätsverlust?

Trotz schlechter Umfragewerte für seine Partei sagt SPD-Parteichef Franz Müntefering einen Sieg der SPD bei der Bundestagswahl am 27. September voraus. “Frau Merkel kann schon mal die Umzugskisten packen”, sagte Müntefering dem Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL. “Der Wahlkampf beginnt Anfang, Mitte August, erst dann werden die Wählerinnen und Wähler wirklich merken, wer was zu sagen hat und die Antworten für die Zukunft gibt. Erst dann werden sie merken, dass die Union außer Watte nichts zu bieten hat.” SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier werde mit Sicherheit das Kanzleramt erobern, so Müntefering. “Er weiß Bescheid, er kann Kanzler. Er wird es.”

Warum erinnert mich Münteferring eigentlich nur so an Honecker in den letzten Tagen der DDR?

Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Bereich Freiheit, Sicherheit und Recht

Super! Unter der ominösen Bezeichnung Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Bereich Freiheit, Sicherheit und Recht verbirgt sich eine neuartige EU-Superbehörde, die als Datenkrake diverse gesammelte Datenhalden zusammenführt.

Die EU-Kommission bereitet den Aufbau einer riesigen Zentralstelle zur Datensammlung vor. Damit bekämen Polizei- und andere Sicherheitsbehörden Zugriff auf Informationsbereiche, die ihnen bislang gesetzlich versperrt sind, warnen Datenschützer. Für über 100 Millionen Euro soll eine “Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Bereich Freiheit, Sicherheit und Justiz” errichtet werden, umschreibt ein Kommissions-Papier vom 24. Juni (2009/ 293 final) das Vorhaben im nebulösen EU-Jargon. Diese neue Behörde soll zunächst drei große Datensammelstellen zusammenführen, die heute unabhängig voneinander arbeiten: Das “Schengener Informationssystem” (SIS), das vor allem Angaben über Personen sammelt, die zur Fahndung ausgeschrieben sind; das “Visa-Informationssystem”, das biometrische Merkmale von Menschen aus Nicht-EU-Ländern speichert, die einen Visa-Antrag zur privaten oder geschäftlichen Europareise gestellt haben; und “Eurodac”, ein elektronisches Register mit Fingerabdrücken von Asylbewerbern.(…)
Hinter dem EU-Vorhaben stehen dagegen die Innenminister etlicher Mitgliedländer, insbesondere der deutsche, Wolfgang Schäuble.

Wie man sieht, trifft es noch nicht den einfachen EU-Bürger, sondern wie bei derartigen Aktionen üblich, erstmal “nur” Touristen, Geschäftsreisende, Asylbewerber und zur Fahndung ausgeschriebene Personen. Stößt man bei der Errichtung der Agentur auf wenig Widerstand und sind die Überwachungsergebnisse positiv, dann kommt als nächster Vorstoß ein zentrales EU-Register für all die anderen gesammelten Bürgerdaten. Und das so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Ach ja, und wenn Herr Schäuble erstmal EU-Kommissar ist, dann wird er sich sicherlich voller Freude persönlich der Umsetzung annehmen.

Der Vorschlag für eine VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES zur Errichtung einer Agentur für das Betriebsmanagement von IT-Großsystemen im Bereich Freiheit, Sicherheit und Recht {KOM(2009) 292 endgültig} {KOM(2009) 294 endgültig} findet sich übrigens hier. Ein weiteres über fünfzigseitiges bürokratisches Meisterwerk.

Der Verbraucher will betrogen werden

Es ist doch zu lustig, wie sich selbsternannte Verbraucherschützer über sogenannte Lebensmittelimitate aufregt. Sicher, manches ist von der Bezeichnung und vom Packungsbild auf den ersten Blick eventuell irreführend (wobei ich mir sicher bin, es steht beim Packungsbild irgendwo ganz klein “Serviervorschlag”), ein Blick auf die genauere Beschreibung des Herstellers und vor allem die Zutatenliste zeigt aber schnell, ob namensgebende Bestandteile des Produkts wirklich enthalten sind.

Dem ehemaligen Nachrichtenmagazin ist das nun einen Artikel wert gewesen, denn wie beim großen Vorbild Bild weiß man dort, daß sich Panikartikel am besten verkaufen. Dazu gibt’s natürlich noch eine Photoklickstrecke - und einen Text, den man nicht wirklich ernst nehmen kann. So wird z.B. aus der Verbraucherzentrale Hamburg die Verbraucherschutzzentrale Hamburg.

Die Lebensmittelexperten haben gezielt verschiedene Nahrungsmittel analysiert und kommen zu einem verheerenden Ergebnis: Immer mehr Anbieter sparen bei ihren Produkten an den Originalzutaten und verwenden stattdessen billigere Ersatzstoffe.

Die Analysen scheinen vor allem aus einem Studium der Zutatenliste bestanden zu haben, wenn man sich so manche Dokumente der Verbraucherzentrale Hamburg anschaut. Unter Analysen im Lebensmittelbereich stelle ich mir doch eingehendere Labor-Untersuchungen vor wie z.B. ob ein natürliches Vanillearoma nun aus echten Vanille-Kapselfrüchten stammt oder nur im Fermenter durch Mikroorganismen erzeugt wurde.

Anstelle einer echten Surimi-Garnele erhält der Kunde im Handel unter Umständen gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform.

Surimi ist immer zerkleinerter Fisch. Eine echte Surimi-Garnele hat also nichts mit einer echten Garnele zu tun und ist immer ein Imitat!
Die Leitsätze für Fisch, Krebse und Weichtiere und Erzeugnisse daraus definieren Surimi wie folgt:

I.
Allgemeine Beurteilungsmerkmale
A. Begriffsbestimmungen für Fische und Fischerzeugnisse
j) Surimi ist zerkleinertes, mit Wasser gewaschenes Fischmuskelfleisch ohne Faserstruktur2

2Tiefgefrorenes SURIMI ist die übliche oder gebräuchliche Bezeichnung des Fischeiweißerzeugnisses zur weiteren Verarbeitung, das durch Köpfen, Kehlen und Reinigen des frischen Fisches sowie mechanisches Abtrennen des eßbaren Muskels von Haut und Gräten entstanden ist. Der zerkleinerte Fischmuskel wird dann gewaschen, ausgepreßt, entwässert, mit zur Gefrierstabilisierung dienenden Zusatzstoffen vermischt und anschließend tiefgefroren.

N. Erzeugnisse aus Surimi

1. Begriffsbestimmung

Aus Surimi (I A Nr. 4 j) werden unter Verwendung von Bindemitteln, Zucker, Aromastoffen, auch anderer Zutaten einschließlich Zusatzstoffen, durch Formung oder faserige Strukturierung Fischzubereitungen (z.B. Stäbchen, Stücke/Stückchen oder Imitate von Krebstier- oder Weichtiererzeugnissen) hergestellt. Sie werden in Packungen tiefgefroren, auch durch Erhitzen haltbar gemacht.

2. Bezeichnung

Surimi, Fischzubereitung aus Fischmuskeleiweiß.
Werden Krebstier- oder Weichtiererzeugnisse nachgemacht, lautet die Verkehrsbezeichnung Surimi … -Imitat (z. B. Krebsfleisch-, Crabmeat-, Garnelen-, Shrimps-, Tintenfisch-) aus Fischmuskeleiweiß geformt. Erfolgt eine weitergehende Zubereitung, werden die Beurteilungsmerkmale bei den entsprechenden Fisch-, Krebstier- und Weichtiererzeugnissen beachtet.

3. Beschaffenheitsmerkmale

– Aussehen: sauber und sorgfältig hergerichtet, Farbe und Beschaffenheit dem angegebenen Fisch-, Krebstier- oder Weichtiererzeugnis ähnlich
– Struktur: fest, nicht schmierig
– Geruch, Geschmack: rein, dem angegebenen Fisch-, Krebstier- oder Weichtiererzeugnis vergleichbar.

Zum Betrügen gehören - wie so oft - immer zwei. Wobei ich persönlich nicht wirklich einen Betrug erkennen kann, solange die Zutatenliste den gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen entspricht. Daß man die Kennzeichnungsvorschriften ergänzen sollte und beispielsweise auch die während der Produktion eingesetzten Hilfsstoffe auflisten sollte, ist aber ein anderes Thema.

Aber solange viele Verbraucher sich von Werbung, wohlklingenden Namenskombinationen und bunten Bildchen zum Kauf eines Produktes verleiten lassen, ohne die Zutatenliste überhaupt eines Blickes zu würdigen, hält sich mein Mitleid mit angeblich betrogenen Verbrauchern in Grenzen. Hier will ganz offensichtlich jemand mit Heilsversprechen und dem schönen Schein betrogen werden. Das funktioniert ganz prima im Bereich Religion, warum also nicht auch bei Lebensmitteln.