Die Liste der Zensurbefürworter im Bundestag

Damit auch in Zukunft bekannt sein wird, wer sich für die Einführung einer Zensurinfrastruktur fürs Internet und für die Aufhebung der Gewaltenteilung ausgesprochen hat, hier die Liste der Zensurbefürworter im Bundestag nach Parteien geordnet

CDU/CSU

Ulrich Adam
Ilse Aigner
Peter Albach
Peter Altmaier
Dorothee Bär
Thomas Bareiß
Norbert Barthle
Dr. Wolf Bauer
Günter Baumann
Ernst-Reinhard Beck (Reutlingen)
Dr. Christoph Bergner
Clemens Binninger
Renate Blank
Peter Bleser
Antje Blumenthal
Dr. Maria Böhmer
Wolfgang Börnsen (Bönstrup)
Wolfgang Bosbach
Klaus Brähmig
Michael Brand
Helmut Brandt
Dr. Ralf Brauksiepe
Monika Brüning
Georg Brunnhuber
Cajus Caesar
Gitta Connemann
Leo Dautzenberg
Hubert Deittert
Alexander Dobrindt
Thomas Dörflinger
Marie-Luise Dött
Maria Eichhorn
Dr. Stephan Eisel
Anke Eymer (Lübeck)
Ilse Falk
Dr. Hans Georg Faust
Enak Ferlemann
Ingrid Fischbach
Hartwig Fischer (Göttingen)
Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land)
Dr. Maria Flachsbarth
Klaus-Peter Flosbach
Herbert Frankenhauser
Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof)
Erich G. Fritz
Jochen-Konrad Fromme
Dr. Michael Fuchs
Hans-Joachim Fuchtel
Dr. Jürgen Gehb
Norbert Geis
Eberhard Gienger
Josef Göppel
Peter Götz
Dr. Wolfgang Götzer
Ute Granold
Reinhard Grindel
Hermann Gröhe
Michael Grosse-Brömer
Markus Grübel
Manfred Grund
Monika Grütters
Olav Gutting
Holger Haibach
Gerda Hasselfeldt
Uda Carmen Freia Heller
Michael Hennrich
Jürgen Herrmann
Bernd Heynemann
Ernst Hinsken
Christian Hirte
Robert Hochbaum
Klaus Hofbauer
Franz-Josef Holzenkamp
Joachim Hörster
Anette Hübinger
Hubert Hüppe
Susanne Jaffke-Witt
Dr. Peter Jahr
Dr. Hans-Heinrich Jordan
Dr. Franz Josef Jung
Andreas Jung (Konstanz)
Bartholomäus Kalb
Hans-Werner Kammer
Alois Karl
Bernhard Kaster
Volker Kauder
Siegfried Kauder (Villingen-Schwenningen)
Jürgen Klimke
Julia Klöckner
Jens Koeppen
Dr. Kristina Köhler (Wiesbaden)
Manfred Kolbe
Norbert Königshofen
Dr. Rolf Koschorrek
Gunther Krichbaum
Dr. Günter Krings
Dr. Martina Krogmann
Dr. Hermann Kues
Dr. Karl A. Lamers (Heidelberg)
Andreas G. Lämmel
Dr. Norbert Lammert
Helmut Lamp
Katharina Landgraf
Dr. Max Lehmer
Paul Lehrieder
Ingbert Liebing
Patricia Lips
Dr. Michael Luther
Thomas Mahlberg
Stephan Mayer (Altötting)
Wolfgang Meckelburg
Dr. Michael Meister
Laurenz Meyer (Hamm)
Maria Michalk
Dr. h.c. Hans Michelbach
Philipp Mißfelder
Dr. Eva Möllring
Marlene Mortler
Dr. Gerd Müller
Carsten Müller (Braunschweig)
Stefan Müller (Erlangen)
Michaela Noll
Dr. Georg Nüßlein
Franz Obermeier
Eduard Oswald
Henning Otte
Rita Pawelski
Ulrich Petzold
Sibylle Pfeiffer
Dr. Joachim Pfeiffer
Beatrix Philipp
Ronald Pofalla
Ruprecht Polenz
Daniela Raab
Hans Raidel
Dr. Peter Ramsauer
Peter Rauen
Eckhardt Rehberg
Katherina Reiche (Potsdam)
Klaus Riegert
Dr. Heinz Riesenhuber
Franz Romer
Johannes Röring
Kurt J. Rossmanith
Dr. Norbert Röttgen
Dr. Christian Ruck
Albert Rupprecht (Weiden)
Peter Rzepka
Anita Schäfer (Saalstadt)
Hermann-Josef Scharf
Hartmut Schauerte
Dr. Annette Schavan
Dr. Andreas Scheuer
Karl Schiewerling
Norbert Schindler
Bernd Schmidbauer
Christian Schmidt (Fürth)
Andreas Schmidt (Mülheim)
Ingo Schmitt (Berlin)
Dr. Andreas Schockenhoff
Dr. Ole Schröder
Bernhard Schulte-Drüggelte
Uwe Schummer
Wilhelm Josef Sebastian
Kurt Segner
Marion Seib
Bernd Siebert
Thomas Silberhorn
Johannes Singhammer
Jens Spahn
Erika Steinbach
Christian Freiherr von Stetten
Gero Storjohann
Andreas Storm
Max Straubinger
Matthäus Strebl
Thomas Strobl (Heilbronn)
Lena Strothmann
Michael Stübgen
Hans Peter Thul
Antje Tillmann
Dr. Hans-Peter Uhl
Arnold Vaatz
Volkmar Uwe Vogel
Andrea Astrid Voßhoff
Gerhard Wächter
Marco Wanderwitz
Kai Wegner
Marcus Weinberg
Peter Weiß (Emmendingen)
Gerald Weiß (Groß-Gerau)
Ingo Wellenreuther
Karl-Georg Wellmann
Anette Widmann-Mauz
Klaus-Peter Willsch
Elisabeth Winkelmeier-Becker
Dagmar Wöhrl
Willi Zylajew

SPD

Dr. Lale Akgün
Gregor Amann
Dr. h.c. Gerd Andres
Niels Annen
Ingrid Arndt-Brauer
Rainer Arnold
Ernst Bahr (Neuruppin)
Doris Barnett
Dr. Hans- Peter Bartels
Klaus Barthel
Sören Bartol
Sabine Bätzing
Dirk Becker
Uwe Beckmeyer
Klaus Uwe Benneter
Dr. Axel Berg
Ute Berg
Petra Bierwirth
Lothar Binding (Heidelberg)
Volker Blumentritt
Kurt Bodewig
Clemens Bollen
Gerd Bollmann
Dr. Gerhard Botz
Klaus Brandner
Willi Brase
Bernhard Brinkmann (Hildesheim)
Marco Bülow
Ulla Burchardt
Martin Burkert
Dr. Michael Bürsch
Christian Carstensen
Marion Caspers-Merk
Dr. Peter Danckert
Karl Diller
Martin Dörmann
Dr. Carl-Christian Dressel
Elvira Drobinski-Weiß
Garrelt Duin
Detlef Dzembritzki
Sebastian Edathy
Siegmund Ehrmann
Hans Eichel
Petra Ernstberger
Karin Evers-Meyer
Annette Faße
Elke Ferner
Gabriele Fograscher
Rainer Fornahl
Gabriele Frechen
Dagmar Freitag
Peter Friedrich
Iris Gleicke
Renate Gradistanac
Angelika Graf (Rosenheim)
Dieter Grasedieck
Kerstin Griese
Gabriele Groneberg
Achim Großmann
Wolfgang Grotthaus
Wolfgang Gunkel
Hans-Joachim Hacker
Bettina Hagedorn
Klaus Hagemann
Alfred Hartenbach
Michael Hartmann (Wackernheim)
Nina Hauer
Hubertus Heil
Dr. Reinhold Hemker
Rolf Hempelmann
Dr. Barbara Hendricks
Gustav Herzog
Petra Heß
Gabriele Hiller-Ohm
Stephan Hilsberg
Petra Hinz (Essen)
Gerd Höfer
Iris Hoffmann (Wismar)
Frank Hofmann (Volkach)
Dr. Eva Högl
Eike Hovermann
Klaas Hübner
Christel Humme
Johannes Jung (Karlsruhe)
Josip Juratovic
Johannes Kahrs
Dr. h.c. Susanne Kastner
Ulrich Kelber
Christian Kleiminger
Hans-Ulrich Klose
Astrid Klug
Dr. Bärbel Kofler
Fritz Rudolf Körper
Rolf Kramer
Anette Kramme
Ernst Kranz
Nicolette Kressl
Volker Kröning
Dr. Hans-Ulrich Krüger
Angelika Krüger-Leißner
Jürgen Kucharczyk
Helga Kühn-Mengel
Ute Kumpf
Dr. Uwe Küster
Christine Lambrecht
Christian Lange (Backnang)
Waltraud Lehn
Helga Lopez
Gabriele Lösekrug-Möller
Dirk Manzewski
Lothar Mark
Caren Marks
Katja Mast
Hilde Mattheis
Markus Meckel
Petra Merkel (Berlin)
Ulrike Merten
Dr. Matthias Miersch
Ursula Mogg
Marko Mühlstein
Detlef Müller (Chemnitz)
Gesine Multhaupt
Franz Müntefering
Dr. Rolf Mützenich
Dr. Erika Ober
Thomas Oppermann
Holger Ortel
Heinz Paula
Johannes Pflug
Joachim Poß
Christoph Pries
Dr. Wilhelm Priesmeier
Florian Pronold
Dr. Sascha Raabe
Mechthild Rawert
Gerold Reichenbach
Walter Riester
Sönke Rix
Rene Röspel
Dr. Ernst Dieter Rossmann
Karin Roth (Esslingen)
Michael Roth (Heringen)
Ortwin Runde
Anton Schaaf
Axel Schäfer (Bochum)
Bernd Scheelen
Marianne Schieder
Otto Schily
Silvia Schmidt (Eisleben)
Renate Schmidt (Nürnberg)
Heinz Schmitt (Landau)
Reinhard Schultz (Everswinkel)
Swen Schulz (Spandau)
Ewald Schurer
Frank Schwabe
Dr. Angelica Schwall-Düren
Dr. Martin Schwanholz
Rolf Schwanitz
Rita Schwarzelühr-Sutter
Dr. Margrit Spielmann
Jörg-Otto Spiller
Dieter Steinecke
Andreas Steppuhn
Ludwig Stiegler
Christoph Strässer
Dr. Peter Struck
Joachim Stünker
Dr. Rainer Tabillion
Jella Teuchner
Dr. h.c. Wolfgang Thierse
Franz Thönnes
Rüdiger Veit
Simone Violka
Jörg Vogelsänger
Dr. Marlies Volkmer
Hedi Wegener
Andreas Weigel
Petra Weis
Gunter Weißgerber
Gert Weisskirchen (Wiesloch)
Hildegard Wester
Lydia Westrich
Dr. Margrit Wetzel
Andrea Wicklein
Heidemarie Wieczorek-Zeul
Dr. Dieter Wiefelspütz
Engelbert Wistuba
Waltraud Wolff (Wolmirstedt)
Heidi Wright
Uta Zapf

Fraktionslos

Henry Nitzsche

Nicht anwesend waren übrigens Angela Merkel, Ursula von der Leyen (ist aber auch nur ein Regierungsmitglied), Dr. Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg und Wolfgang Schäuble, wobei einige Regierungsmitglieder sicherlich beim Treffen des Europäischen Rats sind.

Mit Bild gibt’s das Abstimmungsverhalten auch bei Abgeordnetenwatch.

Bitte auch die durch Enthaltung quasi zustimmenden grünen Abgeordneten beachten.

Wurde das Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen und nicht das Zugangserschwerungsgesetz beschlossen? (Update)

(Ursprungspost vom 18. Juni 2009, 22:35)
Ich bin derzeit etwas verwirrt. Entgegen anderslautender Berichte in der Presse, hat der Bundestag laut bundestag.de das Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen in der Entwurfsform vom 5. 5. 2009 beschlossen und nicht das Zugangserschwerungsgesetz. Das würde u.a. bedeuten, daß personenbezogene Daten erhoben, verwendet und an Repressionsbehörden weitergeleitet werden dürfen. Die Diskussion der letzten Wochen wäre damit völlig überflüssig, weil eben keinerlei Änderungen erfolgten.

Nachtrag 19.06.2009

Mittlerweile ist die Drucksache 16/13411 auch online verfügbar und entspricht dem schon bei odem.org veröffentlichten Sperrgesetz-Änderungen (s.o.).
Die Verwirrung entstand also vor allem durch die vorgeschobene Dringlichkeit und mehr als zweifelshafte Vorgehensweise der Bundesregierung, dieses Zensurgesetz unbedingt noch vor der Sommerpause und den nächsten Wahlen zu verabschieden (vergleiche dazu auch die Ausführungen von Max Stadler). Die Liste der namentlichen Abstimmung ist mittlerweile auch beim Bundestag zu finden.

Und noch ein Nachtrag vom 19. Juni:

Das vorläufige Plenarprotokoll der 227. Sitzung des Bundestages ist mittlerweile auch online. Ab Seite 128 geht’s dann ums Thema Zensur.

Hinweisen möchte ich noch auf die Gymnastiklehrerin Renate Gradistanac (SPD), die als brave Parteisoldatin und Mitläuferin gleich alle Schuld von sich weist, wenn das Zensurgesetz mißbraucht wird (und das ist nur noch eine Frage der Zeit):

Indem wir so vorgehen, machen wir deutlich – das ist mir wichtig –: Was die Regierungen nach uns machen, liegt in deren Verantwortung. Wir zumindest wollen nicht, dass es zu einer Ausweitung der Anwendung dieses Gesetzes auf andere Inhalte kommt.

Nach uns die Sintflut.

Es ist ja schön, daß die SPD possierlichen Tierchen wie Wiefelspütz oder Gradistanac ein Zuhause gibt, aber wo die Kompetenz einer Frau liegt, die es nicht einmal zu einer eigenen Domain für eine Webseite gebracht hat und die bei Abgeordnetenwatch alles mit

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte entschuldigen Sie diese standardisierte Antwort.

Dem anonymen Informationsaustausch per Internetplattform “Abgeordnetenwatch” ziehe ich den direkten Austausch vor.

Der Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern ist mir sehr wichtig. Ich lade Sie zu einem Besuch meiner Homepage unter www.bundestag.de ein. Dort finden Sie Information über meine Arbeit und meine politischen Schwerpunkte sowie alle notwendigen Kontaktdaten.

beantwortet, ist mir schleierhaft.

Die armen, unwissenden Versicherungskonzerne

Es gibt Unternehmen, die können einen wirklich nicht leid tun. Dazu gehören u.a. Versicherungskonzerne wie Allianz, Lloyd’s und Swiss Re, die sich in einer bizarren Mischung aus völliger Blödheit, Unwissen und maßloser Gier von Nordkorea narren ließen.

Die Versicherungsbranche sei aber im Umgang mit Nordkorea zum Teil sehr leichtgläubig gewesen, zitiert die Zeitung einen Experten aus der US-Regierung. Die Unterhändler der Versicherungskonzerne seien zudem teilweise sehr uninformiert gewesen - mache dächten, sie hätten es mit einer Firma in Südkorea zu tun, andere seien sich nicht bewusst gewesen, dass Nordkorea ein totalitärer Staat ist. Zum Teil seien die nordkoreanischen Unterhändler aber auch clever vorgegangen: Kim Kwang Jin zufolge habe KNIC jedes Jahr einen neuen Rückversicherer gewählt und sehr hohe Prämien gezahlt. Das Geschäft sei in sehr kleine Einheiten aufgeteilt worden und von unterschiedlichen Maklern an verschiedenen Orten ausgeführt worden, zitiert die Zeitung einen namentlich nicht genannten Experten.

Zumindest für diese Aktionen verdient der Geliebte Führer einen Glückwunsch.

Deutschland, das Land der Zyniker

Laut Ursula von der Leyen sei es “zynisch, im Zusammenhang mit Kinderpornografie von Zensur zu sprechen.”
Mir scheint, der Großteil derjenigen, die das Internet bedienen können, sind dann nichts als Zyniker.
Die Liste der Zensurbefürworter im Bundestag findet sich sicherlich spätestens morgen hier sowie hier bei der ZAF. Die Qualität der Debatte im Bundestag zum Zugangserschwerungsgesetz (wurde das jetzt eigentlich wirklich beschlossen?) war jedenfalls auf Seiten der Befürworter unterirdisch. Auch da wird es interessant sein, morgen im Plenarprotokoll den Schmarrn nachzulesen, war der Stream auf bundestag.de doch manchmal von Aussetzern geprägt.

Jetzt kann man nur noch bei sämtlichen Freunden, Verwandten und Bekannten Überzeugungsarbeit leisten, auf keinen Fall CDU/CSU oder SPD zu wählen. FDP und Grüne nehmen sich aus anderen Gründen auch kaum was im Vergleich zu den beiden Turbogrundrechtabbauern, schließlich haben die Grünen zu Zeiten der rotgrünen Koalition alles mitgemacht wie Agenda 2010, Kriegseinsätze etc. Und die FDP ist als Partei der Besserverdienden ebendeshalb kaum tragbar (erinnert sei aber auch an den Bayerntrojaner, den die FDP nicht verhindert hat, oder die unsäglichen Entscheidungen bezüglich des NRW-Verfassungsschutzes). Wären aber weder Union noch SPD an der nächsten Bundesregierung beteiligt, wäre zumindest schon mal etwas gewonnen. Ich weiß, beim allgemeinen Desinteresse bei der Mehrheit der Bevölkerung an Themen wie Internetzensur oder sozialer Gerechtigkeit sowie der mangelnden Aufklärungsarbeit der Massenmedien über Ziele und Ursachen, ist das utopisch.

Deutschlands gefährdetste Politiker

In Deutschland ist so einiges gefährdet: die Demokratie, das Grundgesetz, die Menschen-, Grund- und Bürgerrechte oder der soziale Frieden beispielsweise. Terrorminister versuchen der Bevölkerung auch immer einzureden, sie selbst sei gefährdet und an jeder zweiten Straßenecke drohe ein feiger Terroranschlag.
Dabei gibt es in Deutschland vor allem eine Spezies, die wirklich gefährdet ist. Und das nicht einmal durch erfundene Terroristen, sondern durch das böse Internet und im speziellen durch Google Street View. Gefährdet sind nach Aussage von Willy Wimmer vor allem die besonders zu schützenden Politiker wie er selbst einer ist.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer sieht durch Googles Straßenansichtsdienst Street View nicht nur die häusliche Privatsphäre gefährdet, sondern auch die Sicherheit besonders zu schützender Politiker. Das sagte Wimmer in einem Gespräch mit der Leizpziger Volkszeitung. Der Politiker habe deshalb Bundestagspräsident Norbert Lammert aufgefordert, von der Bundesregierung zu verlangen, der Firma “das Handwerk zu legen”. Die von Google angebotenen Straßenansichten führten dazu, “dass Kräfte dritter Staaten in die Lage versetzt werden, gegen unliebsame Deutsche vorzugehen”.

Da merkt man einmal wieder, Politiker sind viel gleicher als der Rest der Bevölkerung. Der Frisurenbeauftragte der SPD, Dieter Wiefelspütz befand schon letztes Jahr, “Das Parlament ist ein wenig wichtiger als ein Arzt.
Ähnlich wichtig sieht sich und seinesgleichen wohl Herr Wimmer.

Es sei “die Pflicht des Präsidenten des Deutschen Bundestages”, sich hier stellvertretend für die Schutz- und Hoheitsinteressen der deutschen Volksvertreter einzusetzen. Es sei “ein unhaltbarer Zustand”, dass die Datenermittlung nach Amerika vom Gutdünken der Firma Google abhängig sei, beklagte Wimmer. “In einem Kolonialgebiet könnten die Auswirkungen nicht drastischer sein.”

Dazu, daß vor allem Regierungsparteien im Bundestag seit Jahren einer Erosion des Datenschutzes fröhlich Vorschub leisten (erinnert sei nur an Passagierdaten, die mannigfaltig und freiwillig an die USA ausgeliefert werden, ganz zu schweigen von Datenaustausch innerhalt der EU z.B. gemäß des Vertrages zu Prüm), sage ich jetzt lieber nichts, der geneigte Leser sollte diesbezüglich informiert sein.

Heimliche Videoüberwachung in Hamburg?

Zum Glück wohnt der Große Vorsitzende der Zenzizenzizenzic Armee Fraktion im mondänen Hamm-Nord, ein Stadtteil, der bisher von den üblichen Verdächtigen eines pseudohippen In-Crowds übersehen wurde. Damit bleiben den Bewohnern bisher auch Auseinandersetzungen zwischen Ureinwohnern und finanzkräftigen Neuzugängen erspart, die sich beispielsweise in gefährlichen, terroristischen Farbbeutelattacken oder Steinwürfen äußern. Das findet man zum Beispiel im überflüssigen Schanzenviertel. Zusätzlich findet man dort wohl auch noch heimliche Videoüberwachung durch staatliche Repressionsbehörden.

Die Polizei bemüht sich zur Zeit, AnwohnerInnen des Viertels dazu zu animieren, dass sie versteckten Kameras in ihren Privatwohnungen zustimmen. Mit ihnen will die Polizei das Leben auf der Straßen filmen. “Es sind mehrere Personen angesprochen worden”, erklärt ein Insider.
In einer Erklärung berichten AnwohnerInnen, dass bereits erste Kameras installiert worden seien: Die “Daten werden zentral erfasst und von Polizeibeamten in Echtzeit überwacht”. Die Bilder werden live - wie auf der Reeperbahn - zu einem Polizeistützpunkt übertragen.

Die Hamburger Polizei kümmert sich schon fürsorglich um die Bürger, auch wenn dies eventuell am Rande der Legalität geschieht.

Der Strafrechtsprofessor Rüdiger Sonnen, ebenfalls Uni Hamburg, meint, die Strafprozessordnung (StPO) sei als Rechtsgrundlage für eine Kameraüberwachung gar nicht geeignet. “Es geht hier aber nicht um repressive Maßnahmen, sondern um präventive. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung kann eingeschränkt werden, aber dabei muss der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Bei Sachbeschädigung ist dies nicht gegeben.”

Das kann man so sehen, man kann aber auch den schon desöfteren erwähnten Rahmenbeschluß des Rates vom 13. Juni 2002 zur Terrorismusbekämpfung (2002/475/JI) phantasievoll interpretieren und einen terroristischen Akt erkennen. Dieser definiert als Terrorismus auch

schwer wiegende Zerstörungen an einer Regierungseinrichtung oder einer öffentlichen Einrichtung, einem Verkehrsmittel, einer Infrastruktur einschließlich eines Informatiksystems, einer festen Plattform, die sich auf dem Festlandsockel befindet, einem allgemein zugänglichen Ort oder einem Privateigentum, die Menschenleben gefährden oder zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen können[...]

Steinwürfe und Farbbeutelattacken auf Mobilfunk- und andere Läden führen natürlich zu wirtschaftlichen Verlusten und sind damit nichts anderes als feige Terroranschläge, zu deren Bekämpfung jedes Mittel recht sein sollte. Mich verwundert, daß bisher kein Beamter oder Politiker auf eine derartige Interpretation gekommen ist.

Totale Verzweiflung

Nach der Wahlniederlage aller Parteien angesichts der geringen Wahlbeteiligung bei der Europawahl macht sich bei den großen Verlieren der sogenannten Volksparteien totale Verzweiflung breit. Daß diese Parteien nur noch einen kleinen Teil des Volkes repräsentieren, sieht man, wenn man die Wahlbeteiligung inklusive Nichtwähler graphisch aufbereitet, Volksparteien ist also nur ein Euphemismus.

Nun könnten die Parteien auch einfach eine Politik machen, die näher an der Masse der Bevölkerung liegt und nicht die Interessen diverser Lobbygruppen und der Wirtschaft bevorzugt. Aber dafür müssten Politiker ihr eigenes Handeln der letzten Jahre in Frage stellen. Das kann und darf nicht sein.

Deshalb macht man den Bürger, der offensichtlich in der Masse keine Lust hat, sich zwischen Pest und Cholera, zwischen Charybdis und Skylla zu entscheiden, zum Sündenbock und denkt nun über eine Wahlpflicht mit Strafkatalog nach.

Der SPD-Bundestagsabgeordneten Jörn Thießen will die Menschen sogar zum Wählen verpflichten. “Wir Politiker müssen im Parlament abstimmen, das kann man auch von den Wählern bei einer Wahl verlangen. Wer nicht zu einer Wahl geht, sollte 50 Euro Strafe zahlen. Demokratie ohne Demokraten funktioniert nicht”, sagte Thießen ebenfalls der “Bild”-Zeitung. Als Vorbild nannte er Belgien, wo eine Wahlpflicht herrscht. Wer nicht wählen geht, muss mit einer Strafe rechnen. Entsprechend hoch ist dort die Wahlbeteiligung.

Aber selbst Länder, in denen eine Wahlpflicht herrscht, sind nicht wirklich ein Vorbild, denn die Wahlbeteiligung beträgt auch dort keinesfalls annähernd einhunder Prozent. In Belgien waren’s heuer nur 89,28 Prozent.

Und auch Griechenland ist kein Vorbild, was Wahlpflicht angeht.

Seit 1932 besteht [in Griechenland] eine strafrechtlich sanktionierbare Wahlpflicht für alle Wahlberechtigten. Dennoch liegt die liegt die durchschnittliche Wahlbeteiligung bei etwa 80 Prozent. Wer sich nicht an den Wahlen beteiligt, muss mit bis zu 18 Monaten Haft rechnen. In der Praxis wird diese Regelung jedoch nicht mehr angewandt. Von der Wahlpflicht entbinden lediglich hohes Alter (über 70 Jahre), medizinisch attestierte Krankheiten oder eine Entfernung von mehr als 200 Kilometern zum eigenen - meist dörflichen - Wahlkreis.

Bei der Wahl zum Europaparlament 2009 erreichte die Wahlbeteiligung mit 52,6 Prozent (2004: 63,2) in Griechenland einen historischen Tiefpunkt.

Watch Yo’ Net mit der geliebten Bundesregierung

Was sich hier ein wenig liest, als ob Blinde über Farben reden wollen (Sie wissen schon Bundesregierung will Jugendliche über Gefahren im Internet aufklären, wenn diese selbst nicht einmal das Internet in seinen Grundzügen verstanden hat - und was sind nochmal diese Browser?), verhält sich natürlich ganz anders, wenn es die überaus internetkompetente, geliebte Bundesregierung macht.
Und genau deshalb startet die geliebte Bundesregierung ab sofort die Aktion Watch Yo’ Net, die sich unter der knappen und sehr einprägsamen URL watch.yo.net.mit.der.geliebten.bundesregierung.in.der.schwatzbude.de findet.
Natürlich gibt’s auch eine Seite bei der geliebten Bundesregierung selbst dazu.